Ende Juli, da dachte ich noch, ich könnte den Flamencosänger Duquende interviewen - war tagelang aufgeregt und nervös, überlegte an Fragen rum. Und als es dann endlich soweit war, kam alles anders. Wie es eben so oft der Fall ist.Für die aktuelle Ausgabe des Flamencomagazins anda war ich unterwegs in Krems beim Festival Glatt und Verkehrt, auf der Suche nach dem Sänger und seinem neuen Projekt.
Was dabei herausgekommen ist:
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Flamenco & Qawwali, 29. Juli 2006, Festival Glatt&Verkehrt, Krems, Österreich
Da sitze ich nun – wie bestellt und nicht abgeholt. Und ähnlich muss es wohl einem Teil der Truppe gehen, die an diesem Abend auftreten sollte. Während ich in Krems auf Duquende und Co warte, das Mikrofon bereit, die vorbereiteten Interviewfragen auswendig gelernt, die Neugierde im Herzen, stehen die Flamencokünstler auf irgendeinem Flughafen in Spanien und kommen nicht näher. Es wird kein Interview geben. Es wird nicht mal ein Flamencokonzert geben. Es findet einfach keine Begegnung statt – weil die Fluglinie IBERIA streikt und alle Wege von Spanien nach Österreich ausgebucht sind. Da sitze ich nun. Ratlos.
Dabei hätte ich Duquende so gerne gefragt, wie er Chicuelo so als Gitarrist findet – der hätte heute nämlich auch auftreten sollen und wäre beim Interview neben Duquende gesessen, hätte die Frage wahrscheinlich seltsam gefunden, hoffentlich gelacht und damit das Eis oder zumindest meine Nervosität zum schmelzen gebracht - (natürlich findet Duquende Chicuelos Gitarrespiel gut, sonst würde er wohl nicht mit ihm zusammen arbeiten, stupid!). Und umgekehrt: „Chicuelo, wie würdest du Duquendes Gesang beschreiben?“ (sehr mystisch, intensiv, ein wenig hoch?). „Und wie ist es zu dieser ungewöhnlichen Produktion gekommen, die wir heute Abend bewundern…“ hätten können.
Es stand nämlich ein gemeinsames Konzert von Flamenco mit dem pakistanischen-nordindischen Qawwali am Programm. Jetzt steht da nur noch Qawwali. „Der Qawwali ist tief verwurzelt im Sufismus, der islamischen Mystik, deren Zentrum die Annäherung an Gott durch verschiedene Techniken ist, u. a. jener der Ekstase“, aber das weiß ich auch nur aus Wikipedia, der Online-Enzyklopädie. Denn in meiner grenzenlosen Flamenco-Vorfreude habe ich vergessen, mich auf den anderen Teil der Künstler vorzubereiten. Ich hatte gehofft, über Duquendes Faszination für diesen Musikstil, ein bisschen was zu lernen über Qawwali. Ach ja, die Zusammenarbeit: kann ich natürlich auch nachlesen, wie es dazu gekommen ist. Der Sänger Poveda, bekannt für seine Ausflüge über den Flamencotellerrand hinaus, hat sich mit Duquende und dem Qawwali-Superstar Faiz Ali Faiz zusammengetan, um zu Musizieren. Dabei haben sie auch gleich eine DVD herausgebracht, auf der das Musikexperiment zu bestaunen ist. Aber wie es Duquende und Chicuelo dabei geht und warum sie zugesagt haben, was für sie Qawwali bedeutet und warum sie finden, dass er gut zu Flamenco passt, steht natürlich nirgends – oder hätte an dieser Stelle stehen können.
Ich sitze also völlig ahnungslos auf meinem Platz und hoffe, dass mir dieser Qawwali gefallen wird. Irgendwo habe ich gelesen, dass ein Lied bis zu 30 Minuten dauern kann – das macht mich fast so nervös wie die Tatsache, dass ich bisher noch nie etwas von Faiz Ali Faiz gehört habe, der der legitime Nachfolger von Nusrat Fateh Ali Khan sein soll. Mir ist meine unabsichtliche Ignoranz sehr peinlich. Das ist so, wie wenn man Duquende nicht kennt, der ja von vielen als Camaróns Nachfolger bezeichnet wird. Oder eigentlich so, wie wenn man Camarón nicht kennen würde.
Zum Glück erzählt vor dem Konzert ein Moderator ein bisschen was über die Kunst: (weiter)