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Weblog von Julia Petschinka

 
anda69Ein Tag in der Flamenco-Hochburg Sevilla: was man dort erleben kann beschreibt der Cefredakteur des deutschen Flamenco-Magazins anda mittels Text und Bild in der neuesten Ausgabe des Magazins.
Und Susanne Zellinger hat die Sängerin Mayte Martin interviewt, bevor sie in Wien ihr Konzert gab (das mich ziemlich verwirrte). Susanne meinte später, dass das eines ihrer bisher besten Interviws war - "das merke ich schon während des Interviews, obs in eine gute Richtng geht" hat sie geschwärmt. und: "mayte martin ist so eine tolle frau" hat sie auch noch gesagt. na, ich bin gespannt. noch ist das heft nicht in meinem postfach gelandet - das dauert manchmal ganz schön lange, von der ankündigung auf der website bis zum echten blätter-genuß...
Meine Ansichten über Auftritte von KünstlerInnen sind auch wieder dabei. Neben der Schnellschuß- und muy persönlich gemeinten Mini-Meinungsäußerung über das Konzert von Paco de Lucia in Wien gibt es eine Beschreibung des Abends mit dem Jazz- und Flamenco-Pianisten Chano Dominguez und eine Konzertkritik des Auftritts der Berliner Grande Dame des Flamenco: Amparo de Triana.
Beim Schreiben dieser Kritik bin ich wieder mal an meine Grenzen gestoßen. Wie ich immer wieder rausfinde: es ist nicht so leicht, das, was man sieht und fühlt während eines Konzertes in Worte zu fassen. Und zwar irgendwie so, dass mein persönlicher Touch nicht verloren geht, sich aber doch nicht allzusehr in den Vordergrund drängt. Aber bei Amparo de Triana kam noch dazu, dass sie einfach eine große Persönlichkeit ist. So groß, dass ich nicht recht akzeptieren konnte, was ich gefühlt habe bei dem, was ich gesehen habe. Ich wollte es gerne anders... Es dauert dann einfach länger, bis ich mir eingestehen kann, dass ich zu meinen Eindrücken stehe - und nicht zum Superstar-Image der KünstlerInnen....

Das kam dabei raus:

+++ anda-texte +++
28.09.2006 Chano Dominguez und Band. ORF Radiokulturhaus Wien.

chanodomSind Jazz und Flamenco ein Widerspruch oder nicht? Gibt es im Flamenco genügend Freiheit für die jazzigen Arrangements? Solche und ähnliche Fragen standen zu Beginn des Konzerts von Chano Dominguez und seiner dreiköpfigen Band (Kontrabass, Schlagzeug, Gesang) im Raum – und diese Fragen kamen ja nicht von ungefähr. Chano Dominguez provozierte sie durch sein Klavierspiel geradezu. Zwar begann der Pianist seine Flamenco-Nummern oft mit bekannten Melodien, jedoch blieben die Lieder nur selten bei allzu „einfachen“ Flamencoklängen. Viel mehr wirbelten Klavier und Kontrabass-Noten munter durch den Raum. Und hätte nicht der Schlagzeuger immer wieder gezeigt, dass die vermeintlich chaotischen Melodien sehr wohl auf geniale Weise in den Compás passen, man hätte glauben können, vom Flamenco bliebe bei so einem Konzert nicht viel übrig. Abgesehen natürlich vom muy-gitano-Gesang Blas Cordobas. Wenn er sang, schien die Flamencowelt für kurze Zeit Oberhand zu gewinnen. Wobei sich auch gerade bei einem Konzert an der Schnittstelle von Flamenco und Jazz immer wieder die Frage stellte: was ist eigentlich Flamenco? Wie weit kann man den Jazz in den Flamenco eindringen lassen, bevor man aufhören muss, von Flamenco zu sprechen? Und: passen Flamenco und Jazz überhaupt zusammen? So etwas Ähnliches muss sich wohl Blas Cordoba während der Zugabe gedacht haben; zumindest sah sein Gesichtsausdruck anfänglich danach aus. Da hatte nämlich Chano Dominguez die Idee, ein neues Lied zu kreieren. Totale Improvisation war angesagt. Und das live. „Wir haben so etwas noch nie mit Blás gemacht – es ist ein Experiment für uns alle“, leitete Chano Dominguez die Zugabe ein und legte los. In sich versunken klimperten, zupften und trommelten die Jazzmusiker– offensichtlich geübt in Improvisation. Es brauchte einige Zeit, bis sich der Sänger mit seinen Strophen in das Klanggemisch warf. Etwas unsicher zu Beginn; bis seine Flamenco-Selbstsicherheit zurückkehrte. Die anderen Musiker spielten spontan um ihn herum und wir alle konnten spüren, wie facettenreich die jazzige Improvisation den vom Flamencocompás abgesteckten Raum füllen kann. Ist das spontane, Zusammenspielen nicht wesentlicher Teil der sprühenden Flamenco-Energie? Dass es auch mit Jazz gemeinsam geht, zeigte auf äußerst spannende Weise die Zugabe. An diesem Abend: Keine Spur vom vermeintlichen Widerspruch zwischen Jazz und Flamenco. Passte alles wunderbar zusammen.

29.9.2006, Amparo de Triana und Pedro el Marinero, Tribünentheater Maar, Perchtoldsdorf

amparo_2Amparo de Triana kommt seit knapp 15 Jahren nach Perchtoldsdorf bei Wien, um ihren österreichischen SchülerInnen den Flamencotanz näher zu bringen. Und erst jetzt ist sie zum ersten Mal auch auf der Bühne gestanden. Gemeinsam mit dem Berliner Gitarristen Pedro el Marinero zeigte sie das Programm "Kastagnetten, Gitarre und mehr". Wobei das "mehr" aus Tanzeinlagen in Form von Fandango, Sevillanas und einem Misch-Masch aus verschiedenen Flamencotänzen bestand („Emotionen“ hieß diese spannende Eigenkreation). Und die Tanzeinlagen waren es auch, die das Publikum zum Jubeln brachten. Wenn Amparo de Triana auf der Bühne steht, muss sie nicht viel machen, um die Zuschauer zu fesseln. Da genügt ein Augenaufschlag, eine kleine Bewegung mit ihrer Hüfte. Wenn sie dann, wie beim Stück „Emotionen“, doch mehr macht, sind alle glücklich. Umso deutlicher war der Unterschied zu den Kastagnetten- und Gitarrenstücken. Da nahmen die beiden Künstler auf der extrem reduziert dekorierten Bühne Platz und widmeten sich ganz der Musik. Im Vergleich zu den Tanzeinlagen wirkte die Performance der beiden plötzlich steif und fremd. Nichts ging mehr so locker und selbstverständlich. Als wären die Noten zwischen den Gitarresaiten hängen geblieben oder als klebten sie an den Innenseiten der Kastagnetten. Die Energie sackte ab, bis sie ihren Tiefpunkt in der zweiten Hälfte des Abends erreichte, als Amparo de Triana alleine mit einem Notenständer auf der Bühne stand und ihre Kastagnetten zu Konservenmusik klappern ließ. Das passte so gar nicht – und schon gar nicht zu ihr! Und auch der Gitarrist Pedro el Marinero konnte sich nicht so recht beim anschließenden Solo-Stück (einer Bulería) entfalten. Auch er wirkte, als wären ihm die Hände gebunden. Doch dann die große Überraschung: Zu Duke Ellingtons "The mooche" tanzte Amparo de Triana alleine auf der Bühne. Die Kastagnetten klapperten freche Noten, ihre Schultern flirteten mit dem Publikum und sie war wieder in ihrem Element, dem Tanz – diesmal in einer leichtfüßigen, freudvollen Variation, die alle wieder aus ihrem Dämmerzustand riss. Auch den Gitarristen. Er änderte seine Beinhaltung von klassisch auf „Paco de Lucia“, lockerte seine Finger und stimmte eine Soleá an, die nur so durch den Raum rauschte. Beeindruckend. Schade, dass es von dem angekündigten „Mehr“ nicht mehr gegeben hat.

++ ende anda-texte+++
 

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