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picture taken by aimee blaskovic
Weblog von Julia Petschinka

 
Nach vier Stunden herumstehen denke ich mir: "eins mach ich sicherlich nie wieder: diese hohen Schuhe anziehen, wenn ich so früh schon bei Vorbesprechungen, Briefings, Generalproben sein muss!" Sie sind zwar schön, vor allem sehr türkis, aber dann doch etwas zu unbequem für so einen langen Tag. Noch dazu, wo der Jurytisch mit Tischtuch bis zum Boden verhangen ist und man die Schuhe eh nicht sehen kann! tztztz. (gleichzeitig ist so ein langes Tischtuch natürlich gut, sonst müsste man auch noch aufpassen, was man mit den Füssen macht - man fühlt sich dort oben am Juryplatz ja ohnehin beobachtet genug. Es ist gar nicht so leicht, nicht zu lümmeln, nicht zu tratschen, sich nicht auf die falsche Hand abzustützen, nicht zu kritzeln und nicht in der Nase zu bohren - im Laufe eines so langen Abends). Etwas klüger hat das die bestimmt viel erfahrenere Moderatorin des Abends (Carolina Inama) gemacht: Bequemes Oberteil (ok, nicht Schuhe) für Untertags, adrettes Sakko am Abend. Überhaupt Carolina Inama: bittesehr, ich nehme jedes Vorurteil wieder zurück, das so schnell im Kopf entsteht, wenn man Newton schaut: sie ist wirklich nett, extrem gut vorbereitet und zurückhaltend.

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Der Finaltag beginnt also schon sehr früh. Um 3h Nachmittags treffen wir uns mit den KandidatInnen im Technischen Museum - zu Wurstsemmel und kurzem Geplaudere. Die meisten sind schon nervös (kann ich gut nachvollziehen - ich bin auch sehr nervös, obwohl ich nur Teil der Jury war... warum war ich eigentlich nervös? Hm.) - und schwärmen von ihrem Medientrainings-Wochenende. Eine gute Gruppe waren sie, erzählen sie mir, haben viel diskutiert und in das Einmaleins des Journalismus reingeschnuppert, mit Überblick über Österreichs Medienszene obendrein. Neben dem eher theoretischen Teil mußten sie auch Präsentationstechniken (mit Videoanalyse - das ist hart!) praktisch üben (und dann ja auch noch die Audio-files erzeugen).

Zwei Stunden später (ich weiß nicht, wie viele ORF-Zuckerl und leere Sessel ich fotografiert habe, um die Zeit vergehen zu lassen) dann die erste Jury-Generalprobe ("alle mal was in ihr Mikrofon sagen, bitte!" - "äh, einszweieinszwei?") und ich treffe die anderen Jurymitglieder. Günter Mayer vom ORF-Fernsehen kenne ich schon aus der Audition, Martin Bernhofer vom Radiosender Ö1 vom SciMedia-Lehrgang, Gabriele Zuna-Kratky, die Hausherrin an diesem Abend, aus den Medien und Christoph Kratky (nein, natürlich nicht verwandt! Ich hab mich schliesslich getraut zu fragen - später dann), den Herrn Präsidenten des FWF von diversen Reden und Ansprachen. Lustig, denke ich mir, wie ich da wohl hineinpasse? Eigentlich gar nicht so richtig - aber vielleicht bin ich deshalb dort?
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Genau fünf Minuten später ist die Juryprobe vorbei und das lange Warten beginnt. Immerhin erfahre ich etwas aus dem Leben von Christoph Kratky und letztendlich haben wirs ganz lustig - ich frage mich manchmal, ob ich zu frech bin, wenn ich mit einem Präsidenten Witze reiße? Später dann zeigt sich ein Vorteil am Jurydasein: ich darf zu einer Visagistin (zum ersten Mal, juhu!). Ich werde abgetupft, bepinselt und angemalt. Fühle mich für die kurze Zeit wie ein Star, bevor ich diesen Status an die KandidatInnen weitergebe. Denn eigentlich geht es ja um sie an diesem Abend.

Spannung, Spannung, Licht aus, Licht ein - und los gehts kurz nach 19h, nachdem auch Andreas KohlKhol von der ÖVP einen Platz in der ersten Reihe zugewiesen bekommt (was mich alles ehrlich gesagt ziemlich verwundert - und ich frage mich: wie was wo wieso? - Bis sich dann herausstellt, dass einer der Kandidaten sein Sohn ist; was leider extra betont wird und das finde ich blöd. Was kann der Sohn dafür? Und wieso muss dieser wieder betonen, dass er ein eigenständiger Mensch ist, der hier ... ach was, alles komisch, ich hätte es lieber nicht gewußt. Ich hätte lieber gehabt, wenn der Vater-KohlKhol wie ein normaler Vater behandelt wird und sich selber seinen Platz suchen darf/muss, damit der Sohn KohlKhol auf der Bühne in Ruhe seine Ziegengeschichte erzählen kann). Also es geht los und ich merke, wie ich mir Kommentare zusammensuche in meinem Kopf.

Zwar ist vorgegeben, dass wir die KandidatInnen nach drei Kategorien "beurteilen" sollen (Content, Clarity und Charisma), aber das erscheint mir im selben Moment ein wenig seltsam und zu steif. Nochdazu, steht am Briefingbogen für die Jury, müssen wir Punkte vergeben und zusätzlich ankreuzen, ob wir die Leute für Fernsehen, Radio, Diskussionsrunden und Kindervorlesungen empfehlen können und auch noch beurteilen, ob das Thema wissenschaftlich richtig und relevant ist. Darüber hinaus sollen wir die "Institution Wissenschaft" ansprechen (über Fragen, die wohl auf der Hand liegen werden - im Nachhinein kann ich sagen: dort auf der Hand waren nur ganz wenige Fragen) und dann noch lustig sein, weil Famelab soll ja auch Spaß machen und unterhalten. Irgendwie ganz schön viel. Da fällt mir nur ein "äh" ein (später wirds dann besser und ich traue mich mehr, frage auch zu den Lebensläufen der Leute etwas etc). Irgendwie fühle ich mich überfordert und finde, dass die Jury-Kommentare vielleicht daher oft hohl wirken. Da könnte immer noch mehr gesagt werden. Vielleicht weniger nett, dafür gehaltvoller?
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Nach der Vorrunde (Audition), bei der ich auch in der Jury gesessen bin, ist einer der (ausgeschiedenen) Kandidaten zu mir gekommen und wollte genaueres Feedback haben. Er hat gemeint, wir wären alle zu nett und oberflächlich gewesen und hätten letztendlich alles gut und lustig gefunden (jaja, ich hab mich ertappt gefühlt). Aber wir sollten ja auch nett sein (steht im Briefingbogen), und vor allem konstruktiv (nicht sarkastisch und Dieter-Bohlen-mässig!). Das ist ja auch gut, doch letztendlich scheiden am Final-Abend 9 von 10 aus (was eigentlich wenig konstruktiv ist, muss ich sagen). Jetzt im Nachhinein frage ich mich: hätten wir während der Veranstaltung kritischer sein sollen? Hätten die Leute mehr damit anfangen können?

Überhaupt Audition versus Finale: ich frage mich: wieso durften die KandidatInnen beim Finale nicht das erzählen, was sie auch bei der Audition erzählt haben? Also, wieso durften sie nicht ihren besten Vortrag nochmals bringen? Ihr bestes Thema, quasi? Die meisten waren viel besser bei der Audition als bei Finale, finde ich (das lag wahrscheinlich auch daran, dass die Stimmung gelöster war. Es waren weniger Leute dort, keine ORF Kameras, kein grelles Licht und keine Stimme aus dem off...) - die Themen waren durchdachter, kritischer, lustiger. Also, warum? Nochdazu wäre es ja ohnehin völlig unbemerkt geblieben, denn: das Publikum hat den Vortrag nicht gekannt, und nur zwei Jurymitglieder waren in der Audition.

Und hier gleich meine zweite Frage des Abends: warum war die Jury bei der Audition eine andere als beim Finale? (wahrscheinlich, so vermute ich, ist die Antwort eine ganz pragmatische: ChefInnen haben eben nicht so viel Zeit). Ich hätte es besser gefunden, wenn alle aus der Jury auch schon bei der Audition dabei gewesen wären. So hätten wir dann auch die Entwicklung der Famelab-TeilnehmerInnen in Betracht ziehen können. Hätten vergleichen und addieren können. Wenn dann auch mehr Zeit für die Jurybesprechung geplant gewesen wäre.
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Wir haben zwanzig Minuten für zehn KandidatInnen und durchgehend fünf verschiedene Meinungen. Eine komplizierte Jurysitzung! Keine Zeit für Diskussionen, keine Zeit, über die Leute ausführlich zu sprechen, keine Zeit für für und wider. Schnell zack zack ja nein - bis wir die zwei besten ausgewählt haben war die Zeit vorbei und es klopft an der Tür. Bitteschön, der Herr Minister Hahn ist jetzt schon da. Dann nach zwei Minuten wieder ein klopf klopf bitteschön jetzt kommen - und wir werfen immer hektischer mit Kurzmeinungen um uns. Klopf klopf jetzt muss ich aber drauf bestehen - wir stehen auf, noch immer keine Einigung, wir gehen los, noch immer kein Konsens, es steht zwei gegen zwei und eine Enthaltung, die sich letztendlich dann doch noch entscheidet kurz bevor wir in den Saal eintreten und so steht der Gewinner fest. Ich glaube, man hat es zwei Fünftel der Jurymitglieder angesehen, dass... hm... aber so ist das in einer hektischen Demokratie.
Großer Applaus und aus.

Dann kommt noch ein Fotograf in Nadelstreifanzug und drappiert uns um den Minister, dann ohne uns, dann wieder mit, dann wieder ohne, weil der Blitz vorher nicht eingeschalten war. Der Saal leert sich und ich habe Durst, so wie viele der 400 Anwesenden. Die KandidatInnen suchen Trost und Entspannung bei ihren Freunden und Familien... Aber: was passiert jetzt eigentlich mit den neun ausgeschiedenen TeilnehmerInnen? Zurück ins Labor und das wars? Werden sie irgendwas von dieser Veranstaltung mitnehmen? Und vom Workshop? Oder war alles zu kurz und intensiv, so dass das gar nicht möglich ist?

Draußen steht auch noch der Herr MInister, anderswo Carolina Inama und in einer dritten Ecke ich mit meinen türkisen Schuhen, die nach dem langen Sitzen gar nicht mehr weh tun - nur noch schön sind :-) Hat sich ja doch ausgezahlt, sie anzuziehen...

Der Beitrag ist auch im SciBlog-Blog für Wissenschaftskommunikation veröffentlicht
muesli meinte am 24. Apr, 14:51:
papa kohl hat es immerhin geschafft, gleichzeitig beim famelab und beim parteitag zu sein. (genutzt hat die prominente unterstützung scheinbar trotzdem nichts. ;-) 
jupe antwortete am 24. Apr, 15:22:
auch gio hahn war beim famelab und kam direkt aus salzburg - er hat den hauptpreis übergeben.
nein, die promi-unterstützung hat nichts geholfen (aber es war thema in der jury und wir haben beschlossen, den promifaktor selbstverständlich zu ignorieren) 
 

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