Am 21. Jänner waren zwei absolute Flamencokapazunder im Tanzstudio Maar in Perchtoldsdorf bei Wien zu Gast - ihr Programm: Sastipen Tali.
Ich habe für das deutsche Flamencomagazin anda einen kurzen Beitrag darüber geschrieben, den ich zufällig wieder ausgegraben habe:

Miguel Vargas und Paco Fernandez, „Sastipen Tali“, 21.1.2007, Tribünentheater Maar, Perchtoldsdorf
Das Tribünentheater ist wirklich winzig, und das wissen die beiden Künstler auch. Miguel Vargas ist schon das dritte Mal in Perchtoldsdorf bei Wien, er kennt den Raum, wenn auch nur unter Tags in Form eines Tanzsaales. Abends bei Programm wird dieser nämlich einfach umgebaut, eine kleine Bühne aufgestellt und das Bühnenbild angebracht. Dass die beiden sich trotzdem überreden haben lassen, ein Konzert zu geben, liege an der liebevollen Art der Gastgeberin Gertraud Maar, wie sie mehrmals betonen. Denn die Bühne, die ist winzig. Da haben ja nicht einmal die anderen Musiker Platz. Es scheint, als wären Miguel und Paco deshalb ein wenig verwirrt. Was sollen sie machen, nur zu zweit auf so einer kleinen Bühne? „Aber weil Frau Maar alles so liebevoll organisiert hat, sitzen wir jetzt hier“.
Und das ist die eigentliche Sensation. Wir bekommen an diesem Abend Künstler aus der unmittelbaren Nähe zu sehen, die auf den ganz großen Flamencobühnen der Welt zu Hause sind. Ein aufregendes Gefühl. Zuerst sitzt da Paco Fernández ganz alleine. Er spielt ein paar Nummern seiner neuen Platte „Sastipen Tali“ und der Abend beginnt wie eine CD-Präsentation, denn die Scheibe kann man später auch kaufen. Dass Paco noch vor wenigen Minuten nicht wusste, wie ihm geschieht, merkt man nicht. Er spielt und singt mit Leidenschaft - und er erzählt. Von der Musik, seiner Auffassung von Kunst und wie schön es ist vor einem so respektvollen Publikum zu spielen. „Geht es euch gut? Ihr seid so still! Versteht ihr mich? Egal, ich spreche von meiner Leidenschaft, der Musik, und ich spreche mit dem Herzen“.
Und da ist ja auch noch sein Schwager, Miguel, der als Dolmetscher zu Hilfe eilt. In Jeans, Sakko und Hemd sieht er zur Hälfte wie für einen Auftritt angezogen aus – und zur Hälfte wie der private Miguel. Sie haben sich gedacht, erzählt er, dass sie heute auf dieser kleinen Bühne kein Konzert geben, denn dafür fehlen auch die anderen Musiker, sondern Einblick in das Entstehen von Flamencochoreographien geben. Wir dürfen den beiden also kurz beim Einstudieren einer Seguiriya zusehen, sprich: einen kurzen Blick in ihren Proberaum werfen. Miguel tanzt ein wenig (viel zu wenig), Paco spielt und singt (viel zu wenig). Eine etwas einstudiert wirkende Diskussion zwischen den beiden verdeutlicht, dass Flamencostücke nur im Zusammenspiel zwischen den Künstlern entstehen.
Das erklärt Miguel auch noch und wir wechseln erneut den Fokus des Abends: wir sind in einem Vortragssaal. Thema: Was muss ein Flamencotänzer von Gesang und Musik verstehen, damit er ein guter Tänzer ist? Wer könnte so eine Vorlesung besser halten als Miguel Vargas, Tänzer, Ehemann von Esperanza Fernández, Sängerin, und Schwager von Paco Fernández, Musiker? Also lauschen wir und hoffen, dass er vielleicht doch noch ein wenig mehr von seinem Tanz zeigt, damit wir selber beurteilen können, ob er tatsächlich so ein guter Tänzer ist (was für eine faule Ausrede! Er ist es und wir wollen ihn einfach nur so tanzen sehen – weil ers kann). Aber das macht er nicht, dafür ist die Bühne zu klein, dafür ist das Ensemble nicht mit. Also überlässt er wieder Paco die Bühne, der zum Abschluss seine berührende Nana „mi hija soleá“ ganz ohne Klavierbegleitung singt - und wir sind wieder zurück vom Vortragssaal und dem Proberaum beim Konzert im winzigen Tribünentheater.
+++ende anda-text+++
Ich habe für das deutsche Flamencomagazin anda einen kurzen Beitrag darüber geschrieben, den ich zufällig wieder ausgegraben habe:

Miguel Vargas und Paco Fernandez, „Sastipen Tali“, 21.1.2007, Tribünentheater Maar, Perchtoldsdorf
Das Tribünentheater ist wirklich winzig, und das wissen die beiden Künstler auch. Miguel Vargas ist schon das dritte Mal in Perchtoldsdorf bei Wien, er kennt den Raum, wenn auch nur unter Tags in Form eines Tanzsaales. Abends bei Programm wird dieser nämlich einfach umgebaut, eine kleine Bühne aufgestellt und das Bühnenbild angebracht. Dass die beiden sich trotzdem überreden haben lassen, ein Konzert zu geben, liege an der liebevollen Art der Gastgeberin Gertraud Maar, wie sie mehrmals betonen. Denn die Bühne, die ist winzig. Da haben ja nicht einmal die anderen Musiker Platz. Es scheint, als wären Miguel und Paco deshalb ein wenig verwirrt. Was sollen sie machen, nur zu zweit auf so einer kleinen Bühne? „Aber weil Frau Maar alles so liebevoll organisiert hat, sitzen wir jetzt hier“.
Und das ist die eigentliche Sensation. Wir bekommen an diesem Abend Künstler aus der unmittelbaren Nähe zu sehen, die auf den ganz großen Flamencobühnen der Welt zu Hause sind. Ein aufregendes Gefühl. Zuerst sitzt da Paco Fernández ganz alleine. Er spielt ein paar Nummern seiner neuen Platte „Sastipen Tali“ und der Abend beginnt wie eine CD-Präsentation, denn die Scheibe kann man später auch kaufen. Dass Paco noch vor wenigen Minuten nicht wusste, wie ihm geschieht, merkt man nicht. Er spielt und singt mit Leidenschaft - und er erzählt. Von der Musik, seiner Auffassung von Kunst und wie schön es ist vor einem so respektvollen Publikum zu spielen. „Geht es euch gut? Ihr seid so still! Versteht ihr mich? Egal, ich spreche von meiner Leidenschaft, der Musik, und ich spreche mit dem Herzen“.
Und da ist ja auch noch sein Schwager, Miguel, der als Dolmetscher zu Hilfe eilt. In Jeans, Sakko und Hemd sieht er zur Hälfte wie für einen Auftritt angezogen aus – und zur Hälfte wie der private Miguel. Sie haben sich gedacht, erzählt er, dass sie heute auf dieser kleinen Bühne kein Konzert geben, denn dafür fehlen auch die anderen Musiker, sondern Einblick in das Entstehen von Flamencochoreographien geben. Wir dürfen den beiden also kurz beim Einstudieren einer Seguiriya zusehen, sprich: einen kurzen Blick in ihren Proberaum werfen. Miguel tanzt ein wenig (viel zu wenig), Paco spielt und singt (viel zu wenig). Eine etwas einstudiert wirkende Diskussion zwischen den beiden verdeutlicht, dass Flamencostücke nur im Zusammenspiel zwischen den Künstlern entstehen.
Das erklärt Miguel auch noch und wir wechseln erneut den Fokus des Abends: wir sind in einem Vortragssaal. Thema: Was muss ein Flamencotänzer von Gesang und Musik verstehen, damit er ein guter Tänzer ist? Wer könnte so eine Vorlesung besser halten als Miguel Vargas, Tänzer, Ehemann von Esperanza Fernández, Sängerin, und Schwager von Paco Fernández, Musiker? Also lauschen wir und hoffen, dass er vielleicht doch noch ein wenig mehr von seinem Tanz zeigt, damit wir selber beurteilen können, ob er tatsächlich so ein guter Tänzer ist (was für eine faule Ausrede! Er ist es und wir wollen ihn einfach nur so tanzen sehen – weil ers kann). Aber das macht er nicht, dafür ist die Bühne zu klein, dafür ist das Ensemble nicht mit. Also überlässt er wieder Paco die Bühne, der zum Abschluss seine berührende Nana „mi hija soleá“ ganz ohne Klavierbegleitung singt - und wir sind wieder zurück vom Vortragssaal und dem Proberaum beim Konzert im winzigen Tribünentheater.
+++ende anda-text+++
Violine meinte am 29. Apr, 20:54:
Stöckchen
Ich habe ein Stöckchen für Dich, Julia. Ich hoffe, es gefällt Dir. Es ist ein nachdenliches Stöckchen. Kannst Dir auch Zeit lassen.
jupe antwortete am 30. Apr, 10:57:
Liebe Violine, ob ich das Stöckchen annehme weiß ich noch nicht so genau (danke jedenfalls, dass du es an mich weitergegeben hast). Warum ich noch zögere: das ist eine extrem persönliche Frage und ich weiß nicht, ob ich darüber in einem öffentlichen Blog schreiben will... ich lass mir das durch den Kopf gehen. lg, Jupe