Anfang Jänner war die spanische Tänzerin Yolanda Osuna Linares zu Gast in Wien - für Workshops und einen gemeinsamen Auftritt mit der Wiener Tänzerin Susana la gitana rubia.
Leider war ich krank und konnte weder noch besuchen. Trotzdem ein Text von mir darüber, wie kann das gehen? Nun, eben so: Florence bekam einen heiseren Anruf von mir und war bereit für die Zusammenarbeit. Sie schaute, beobachtete, notierte und telefonierte dann lange mit mir. Ich habe dann versucht, aus Florences Erzählungen einen Text zu schreiben, der einerseits die Eindrücke von Florence widerspiegelt und andererseits jene Aspekte aus Florences Erzählung herausstreicht, die für mich am interessantesten waren.
Der Text ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins anda erschienen.

Susana la gitana rubia und Yolanda Osuna Linares bei einem gemeinsamen Auftritt in Wien
---anda.text---
“Flamenco a dos“ von Susana la gitana rubia und Yolanda Osuna Linares, 5. Jänner 2008, Sargfabrik Wien.
Es ist eiskalt in Wien, der Hochnebel liegt träge über der Stadt, die feuchte Kälte kriecht durch die Daunenjacken. Wir sehnen uns nach Hitze und nützen das Angebot, uns an der Flamencoshow der Wienerin Susana la gitana rubia und ihrem spanischen Gast Yolanda Osuna Linares aufzuheizen. Der Saal ist zum bersten voll, einige müssen sogar stehen. Das gabs noch nie! Ungeduldig und hungrig nach Aktion klatschen wir die Künstler auf die Bühne, wir wollen wilde Zapateados und Drehungen, die uns die Sinne durcheinander wirbeln. Die übergroßen Erwartungen können nicht sofort erfüllt werden und so sind einige anfangs etwas irritiert. Statt eines wilden Neujahrs-Feuerwerks, wie wir es zum Aufheizen gut brauchen könnten, bieten uns die Künstler nämlich Flamencogustostücke vom Feinsten, sowohl was den Tanz als auch Gesang und Musik betrifft. Also gut, wir lehnen uns zurück, schalten einen Gang hinunter und staunen. Susana la gitana rubia tanzt ungewöhnlich grazil und weiblich, sie wirkt viel sinnlicher im Vergleich zu anderen Auftritten. Sie zeigt neue Choreographien, denen man eine Weiterentwicklung ihres Stils ansieht. So, als würde sie mitten in einer Veränderung stecken, die neue Seiten von ihr hervorbringt. Es ist spannend, diese Facetten von Susana la gitana rubia zu sehen, einer Tänzerin, die manchmal fast distanziert wirkt. Und wenn wir schon bei Überraschungen sind: Yolanda Osuna Linares zeigt in ländlichem Kostüm eine Guajira mit Fächer! Von der Frau mit dem kräftigen Zapateado hätten sich die meisten etwas Dramatisches und Dunkles erwartet - aber keinen Tanz als süßes Mädchen. Gerade dieser Bruch zwischen der Erwartung und dem Gezeigten macht ihren Auftritt umso interessanter. Im zweiten Teil des Abends tanzt sie schließlich die herbeigesehnte Seguiriya, bei der sie ihre Kräfte sprühen lässt. Zwischen den Tänzen ist Platz für reine Musik. Die mittlerweile extrem gut eingespielten Musiker (allen voran Martin Kelner an der Gitarre und Amanda Carrasco als Sängerin) überzeugen mit ihren Interpretationen, wie etwa einer Bulería von Estrella Morente, die bekannt aber zugleich auch fremd klingt. Nach etwa zwei Stunden haben wir endlich begriffen, was an diesem Abend gespielt wurde – ein ausgefeiltes Programm, von dem jedes der vielen Stücke von extrem hoher Qualität war. Kein einziges war nur „Pausenfüller“, alle waren sie mit viel Enthusiasmus, Können und Talent gezeigt. Aufgeladen mit Energie wollen wir einfach nicht akzeptieren, dass nach dem gemeinsamen Tangos der beiden Tänzerinnen der Abend schon vorbei sein soll. Wir wollen mehr. Wir wollen nicht gehen - schon gar nicht zurück in die Kälte, die unter unsere Jacken kriecht.
Von Florence le Clézio und Julia Petschinka
---ende.anda.text
Link: Tanzstudio von Susana la gitana rubia
Leider war ich krank und konnte weder noch besuchen. Trotzdem ein Text von mir darüber, wie kann das gehen? Nun, eben so: Florence bekam einen heiseren Anruf von mir und war bereit für die Zusammenarbeit. Sie schaute, beobachtete, notierte und telefonierte dann lange mit mir. Ich habe dann versucht, aus Florences Erzählungen einen Text zu schreiben, der einerseits die Eindrücke von Florence widerspiegelt und andererseits jene Aspekte aus Florences Erzählung herausstreicht, die für mich am interessantesten waren.
Der Text ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins anda erschienen.

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“Flamenco a dos“ von Susana la gitana rubia und Yolanda Osuna Linares, 5. Jänner 2008, Sargfabrik Wien.
Es ist eiskalt in Wien, der Hochnebel liegt träge über der Stadt, die feuchte Kälte kriecht durch die Daunenjacken. Wir sehnen uns nach Hitze und nützen das Angebot, uns an der Flamencoshow der Wienerin Susana la gitana rubia und ihrem spanischen Gast Yolanda Osuna Linares aufzuheizen. Der Saal ist zum bersten voll, einige müssen sogar stehen. Das gabs noch nie! Ungeduldig und hungrig nach Aktion klatschen wir die Künstler auf die Bühne, wir wollen wilde Zapateados und Drehungen, die uns die Sinne durcheinander wirbeln. Die übergroßen Erwartungen können nicht sofort erfüllt werden und so sind einige anfangs etwas irritiert. Statt eines wilden Neujahrs-Feuerwerks, wie wir es zum Aufheizen gut brauchen könnten, bieten uns die Künstler nämlich Flamencogustostücke vom Feinsten, sowohl was den Tanz als auch Gesang und Musik betrifft. Also gut, wir lehnen uns zurück, schalten einen Gang hinunter und staunen. Susana la gitana rubia tanzt ungewöhnlich grazil und weiblich, sie wirkt viel sinnlicher im Vergleich zu anderen Auftritten. Sie zeigt neue Choreographien, denen man eine Weiterentwicklung ihres Stils ansieht. So, als würde sie mitten in einer Veränderung stecken, die neue Seiten von ihr hervorbringt. Es ist spannend, diese Facetten von Susana la gitana rubia zu sehen, einer Tänzerin, die manchmal fast distanziert wirkt. Und wenn wir schon bei Überraschungen sind: Yolanda Osuna Linares zeigt in ländlichem Kostüm eine Guajira mit Fächer! Von der Frau mit dem kräftigen Zapateado hätten sich die meisten etwas Dramatisches und Dunkles erwartet - aber keinen Tanz als süßes Mädchen. Gerade dieser Bruch zwischen der Erwartung und dem Gezeigten macht ihren Auftritt umso interessanter. Im zweiten Teil des Abends tanzt sie schließlich die herbeigesehnte Seguiriya, bei der sie ihre Kräfte sprühen lässt. Zwischen den Tänzen ist Platz für reine Musik. Die mittlerweile extrem gut eingespielten Musiker (allen voran Martin Kelner an der Gitarre und Amanda Carrasco als Sängerin) überzeugen mit ihren Interpretationen, wie etwa einer Bulería von Estrella Morente, die bekannt aber zugleich auch fremd klingt. Nach etwa zwei Stunden haben wir endlich begriffen, was an diesem Abend gespielt wurde – ein ausgefeiltes Programm, von dem jedes der vielen Stücke von extrem hoher Qualität war. Kein einziges war nur „Pausenfüller“, alle waren sie mit viel Enthusiasmus, Können und Talent gezeigt. Aufgeladen mit Energie wollen wir einfach nicht akzeptieren, dass nach dem gemeinsamen Tangos der beiden Tänzerinnen der Abend schon vorbei sein soll. Wir wollen mehr. Wir wollen nicht gehen - schon gar nicht zurück in die Kälte, die unter unsere Jacken kriecht.
Von Florence le Clézio und Julia Petschinka
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Link: Tanzstudio von Susana la gitana rubia