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Jetzt hat auch Falters Wissenschaftsbeilage Heureka ihr Einstein-Sonderheft herausgebracht. Anlässlich des 100jährigen Wunderjahrjubiläums.Ist es so, dass man als HerausgeberIn einer Wissenschaftszeitschrift tatsächlich quasi gezwungen ist, so wie alle anderen auch, etwas über Einstein zu bringen - "nur" weil wir ein Jahr lang Einstein befeiern?
Klar muss die Antwort einerseits "ja" sein, denn Einstein war und ist wichtig für die Physik - und vielleicht auch sonst. Und ja, er war ein Mensch, der sich traute vorhandene Theorien umzustossen, neu zu überdenken und was anderes, großartiges daraus zu bauen. Dazu gehört Mut, Übersicht und ein Schuss Respektlosikeit.
Aber die Antwort, ob wirklich ALLE WissenschaftsmelderInnen was über Einstein bringen müssen, soll genauso gut auch "nein" lauten. Es gibt leider nur ein gewisses Kontingent an Einstein-Theorien, Einstein-Zitaten, Einstein-Stationen, Einstein-Lebensweisen.... sodass der lähmende Effekt einer Einstein-Überladung längst schon eingetreten ist.
Und es ist erst Jänner des Einsteinjahres!!!
Es ist schwierig, noch irgendwo was Neues (und interessantes noch dazu) über Einstein herauszukramen - und so schreiben halt alle mehr oder weniger das Gleiche. Die Physik, das Leben, die Frauen und ein paar Schrulligkeiten dazu.
Ich glaube, in höchstens einem Monat ist der Einstein-Rummel wieder fast ganz vorbei. Kurz wird er wieder aufleben, wenn Mitte April dieser Lichtstrahl um die Welt gehen wird. Und dann? Aber in der Medienwelt scheint es einfach so zu sein: nur die ersten zählen, nur die lautesten und grellsten werden gelesen. Also brüllen alle gleich nach Sylvester "Aiiinstaiiiinn" um die Wette ;-I
Immerhin: in Heureka gibt es ein bisher unveröffentlichtes Einstein-Gedicht....
Link zum aktuellen (Einstein!) Heureka: Albert Einstein Superstar
smi meinte am 27. Jan, 12:48:
auch bei mir hat sich die einsteinmüdigkeit schon eingestellt. bedenklich früh. aber durchaus auf das zurückzuführen was da in einem absatz, ganz unscheinbar, versteckt ist:Aber in der Medienwelt scheint es einfach so zu sein: nur die ersten zählen, nur die lautesten und grellsten werden gelesen.
ist das wirklich so? ich fürchte ja. deshalb gleichen sich tageszeitungen auch schon länger wie ein ei dem anderen. tragisch.
jupe antwortete am 27. Jan, 15:07:
aus der sicht der medien?
Ich glaube, aus der ZeitungsmacherInnen-Sicht (die ich nur theoretisch einnehmen kann) ist die Einstein-Situation noch ein bißchen verzwickter, denn: bringt man nichts über Einstein, weil "eh schon alle was bringen" wird man - glaub ich - nur komisch angeschaut (vielleicht auch vom Geldgeber?). "Das will ein Wissenschaftsmedium sein, und bringt nicht einmal was über Einstein?". Will man DOCH etwas über Einstein bringen, steht man vor den schwierigen Fragen:WANN soll das erscheinen ? (erst später im Jahr - dann könnte es so aussehen, als hätte man von den anderen abgekupfert, oder als wäre man erst später draufgekommen, dass das Einsteinjahr begonnen hat... also: so früh wie möglich). Und nächste Frage: WAS soll man bringen, was die anderen nicht eh schon geschrieben haben? Und: WO soll man das finden?.
Schon schwierig, die Situation...
... ich finde, DIE ZEIT hat das gut gemacht... ein paar Seiten zu Einstein aus verschiedenen Blickwinkeln - und das schon vor Weihnachten (gut, den anderen voraus, weil zu früh, aber...).
hm...
jupe antwortete am 28. Jan, 11:08:
..aus einer e-mail-diskussion zu diesem Thema...
KT: [...]und noch ein etwas kritischer nachtrag zu deinem blog-eintrag: einerseits hast du natürlich recht mit dem einstein-overkill. andererseits bestätigst du ihn in gewisser weise, wenn du das, was erscheinst, dann vor allem auch nach der reihenfolge und dem wer war zuerst besprichst.[...]ich: [...]natürlich funktioniere ich widersprüchlicher Weise genau so, wie ich es von außen nicht für "sinnvoll" erachten würde. Einerseits, in dem ich selber einen Einstein-Artikel schreibe (und mich also nicht mutig genug dagegen wehre), bei dem letztendlich nichts Neues drinnen steht (immer die gleichen Zutaten) - und andererseits vielleicht, weil ich tatsächlich den zeit-Schwerpunkt am besten finde... aber ganz so einfach ist das natürlich noch dazu nicht, denn: ich habe den zeit-schwerpunkt nicht als ersten gelesen, und auch nicht das geo... ich hab mir für meine recherche alles zusammenkopiert und dann quasi eine knappe Überdosis AE verpasst.
Was ich mit meinem Eintrag eigentlich vermitteln wollte, war nur meine Beobachtung, aus der ich mich aber selber leider nicht raus streichen kann.[...]
smi antwortete am 2. Feb, 19:13:
definitiv ein dilemma. das mit den medien. generell das problem der medien heute. vor allem der printmedien, die haben noch das problem, dass die elektronischen medien auf jeden fall voraus sind. ich hätte einstein vermutlich versucht anders zu bringen. oder gar nicht. also zb menschen fragen was einstein für ihren alltag bedeutet. vermutlich gar nichts, vielleicht aber auch mehr als man denkt.
jupe antwortete am 3. Feb, 10:13:
was einstein bedeutet
... die Umfrage-Idee hatte ich auch kurz nachdem einer meiner Verwandten mir erzählt hat "ich hab der Oma während der Autofahrt die Relativitätstheorie in 5 Minuten erklären müssen"... da hab ich mir gedacht: oh, was bedeutet die R-Theorie denn für die Oma? Aus einem unerfindlichen Grund hab ich die Umfrage doch nicht gemacht; jetzt im Nachhinein eigentlich blöd.Zu den Printmedien: ich persönlich finde es noch immer angenehmer, ein "papierdl" in der Hand zu haben als mit müden Augen in den Bildschirm zu starren. Und: ich glaub nicht, dass soooo viele Menschen einen online-Zugang haben und ihre Zeitung dort lieber lesen. Also glaub ich noch nicht wirklich an die existezbedrohende Konkurrenz zwischen online-Zeitungen und print (verleugnen kann ich sie aber nicht; vielleicht wandern durch die online-medien mehr die "jungen" Leute ab?). Aber was ich schon als "problemchen" ansehe ist, dass die Printmedien trotzdem mind einen Tag hinter Fernsehen etc hinterherhecheln, was die Headlines betrifft... aber dafür müssen sie eben MEHR und AUSFÜHRLICHERE Infos brinigen. So die Idealvorstellung. Schön wärs ja. Zu dumm nur, dass sie print-JournalistInnen trotzdem nicht mehr Zeit bekommen und daher auch nicht die Möglichkeit haben, ausführlicher zu recherchieren - da hilft dann der Griff zur Wochenzeitschrift.
... argh, tatsächlich ein schönes Dilemma...