Eigentlich ists aus Nachrichtensicht ja längst verjährt - sprich: ein paar Wochen her - dass ich in den Vorrunden von Famelab2008 als Jurymitglied gesessen bin. Damals hab ich mir fest vorgenommen, gleich was darüber zu schreiben. Wußte dann aber nicht so recht was eigentlich... Bezeichnend? Nein, ganz und gar nicht! Lag wohl eher am Schnupfen, der auf Fieberwellen dahergeritten kam und mich ziemlich abgelenkt hat.
Zum ersten Mal war FameLab in Graz. Und als wir Jurymitglieder im Joanneum Research angetanzt kamen, war gähnende Leere zu finden. Außer einem tapferen Kandidaten sonst niemand. Das war verwunderlich und natürlich enttäuschend - viele klemmten sich daher gleich hinter die Telefone, um KollegInnen für die Vorrunde zu motivieren. Die Vorrunde in Graz war demnach von spontanen Vorträgen geprägt. Und für mich von einem Satz, den mir mein Jurynachbar ins Ohr flüsterte: "Frau Petschinka, ich glaube, ich muß ihnen mal was über Wissenschaftskommunikation erklären - ich verstehe überhaupt nicht, nach welchen Kriterien sie hier urteilen!". Das hat mich doch einigermaßen irritiert.
Die nächste Station: Linz. Die OrganisatorInnen haben ihre Lektion in Graz gelernt: sie machten ihre Runden in den Labors und Instituten und konnten so bereits genügend KandidatInnen für die Linzer Vorrunde motivieren. Die Vize-Rektorin hielt ihre Begrüßungsrede und wollte dann eigentlich gleich wieder abzischen... blieb dann aber doch bis zum Ende der ersten Vorrundenrunde - und das war ein sehr nettes Kompliment an die KandidatInnen, finde ich.
Wieder mit dabei (wie in allen Vorrunden): der Moderator Günter Getzinger, Leiter des Interuniversitären Forschungszentrums für Technik, Arbeit und Kultur in Graz. Ein wandelndes Anekdotenlexikon und immer wieder beeindruckend. Anfangs fand ich, dass seine Einleitungen zu lange und schnörkselig waren im Vergleich zu den drei Minuten, die die nervösen KandidatInnen zur Verfügung hatten - aber dann hat er sich immer wieder gut eingependelt und verblüffende Dinge erzählt. Wirklich unglaublich - er kann zu jedem Thema eine kleine Geschichte erzählen oder findet eine gute Überleitung.
Außerdem ist das ja klarer Weise etwas unfair von mir: ich und der Kollege vom FWF waren die einzigen Jurymitglieder, die bei allen drei Vorrunden dabei waren. Und wir haben vieles natürlich doppelt und dreifach gehört, was der Moderator erzählt hat... für alle anderen wars neu und frisch und daher besser.
Station Nummer 3: Wien Hier gabs die meisten Anmeldungen und wir mußten zum ersten Mal zwischen der ersten und zweiten Runde bereits ein paar KandidatInnen nach Hause schicken. Eine schwierige Aufgabe mit viel Diskussion und letztendlich einer Jury-internen Abstimmung. Es ist ein unangenehmes Gefühl, überstimmt zu werden. Aber so ist die Demokratie wahrscheinlich. Unangenehm und doch wieder gut (hoffentlich).
Und dann wieder am Ende: nochmal so eine knappe Abstimmung und wieder wurde ich überstimmt (ok, was hilft: nicht ich alleine - also wars umso knapper).
Was wirklich schwierig war: da war eine KandidatIn - eine Architektin - mit so viel Weitblick und Überblick und Wissen; die war wirklich faszinierend. leider ist sie nicht zum Punkt gekommen und leider war sie in der schwierigen Situation, dass sie für die zweite Runde keine Kinderbetreuung gefunden hat. Also war sie da, mit irritiertem (und daher unruhigem) Kind am Arm. Ein deutliches Beispiel für die Situation der Frau in der Wissenschaft, oder? Aber darum ging es nicht. Oder doch? Es gibt in Juryzusammensetzungen dann immer wieder den Reflex: nein, wir wählen sie nicht, nur weil sie jetzt mit dem Kind da ist. Oder (nicht dieses Mal): nein, wir können sie jetzt nicht wählen, nur weil sie eine Frau ist.
Plötzlich (und das habe ich während meiner wenigen Jury-Erfahrungen jetzt erschreckend oft herausgefunden) sind die Abwehrreflexe gegen Nebenfaktoren (Kind, Frausein... ja, sind in diesem Zusammenhang glaub ich wirklich nebenfaktoren, oder?) viel stärker als die Konzentration auf das, worum es eigentlich geht. Und was will man gegen "überkorrekte Frauen" machen, die sich dann aus Angst, als Frauenunterstützerin zu gelte, partout gegen die Frauen stemmt? Auch erlebt.
Ich habe wiedermal gelernt: Wenn Frauen auftreten, die nicht in das Schema passen - oder doch, dann aber zu sehr, oder vielleicht grad in der Mitte sind, aber dann langweilig... dann gehts immer noch um andere Dinge. Dann werden immer noch andere Maßstäbe angelegt. Und dann findet die Diskussion auf ganz anderen Ebenen statt. Das ist komisch. Und ich weiß leider noch immer nicht wirklich, wie ich darauf reagieren soll (außer mit Wut, aber die bringt mich nicht wirklich weiter - auch schon ausprobiert!). Wie ist die richtige Strategie, um in einer Jurysitzung von Nebenschauplätzen wieder zurück zu kommen? In 20 Minuten? Vielleicht ist das hier der erste Schritt. Ein Ordnen der Gedanken und Begebenheiten. Na dann!
Das Finale: Technisches Museum in Wien. Dass die Veranstaltung an einem Samstag stattfindet löst einiges an Murren aus. Für viele ist FameLab viel mehr Beruf als Privat. Aber abgesehen davon: Eine gute Veranstaltung. Schön fand ich die kleinen Filmchen über die Auditions (die Vorrunden). Weniger schön fand ich die Größe der Jury (ok, und dass ich nicht in der Jury war hat mich auch etwas verärgert - aber ich verstehe die Gründe gut). Und die Besetzung (aber ich verstehe die Gründe gut). Hier zeigte sich deutlich: die Interessend der SponsorInnen sind nicht die Interessen des Publikums. Wie man diesen Widerspruch auflöst? Hm.
Die KandidatInnen waren allesamt sehr gut. Ganz besonders hat mich das Blackout meiner Lieblingskandidatin geschmerzt - und viele andere auch. Aber so ist das nun mal und passiert allen irgendwann einmal.
Ich hab an diesem Abend zum ersten Mal Prof. Taschner erzählen gehört. Der ist ja wirlich extrem beeindruckend. Es ist unglaublich angenehm ihm zuzuhören - und wie er und was er erzählt hat Hand und Fuß, einen Anfang und ein Ende und viele Hochs zwischendrinnen. Bravo! So gesehen: gut, dass ich nicht in der Jury war, denn während Taschner erzählte, diskutierte die Jury im Hinterzimmer!
Ich bin mit dem Ergebnis übrigens sehr zufrieden. Jetzt bin ich gespannt, ob der Herr Gewinner mehr "verwertet" wird als der Vorjahressieger. Aber das weiß man erst im Nachhinein. Dann, wenn man immer gscheiter ist.
Hier gibts Fotos dazu: FameLab2008 - Bildergalerie @ www.britishcouncil.orf
Das hab ich über die Audiopreis geschrieben:
Zum ersten Mal war FameLab in Graz. Und als wir Jurymitglieder im Joanneum Research angetanzt kamen, war gähnende Leere zu finden. Außer einem tapferen Kandidaten sonst niemand. Das war verwunderlich und natürlich enttäuschend - viele klemmten sich daher gleich hinter die Telefone, um KollegInnen für die Vorrunde zu motivieren. Die Vorrunde in Graz war demnach von spontanen Vorträgen geprägt. Und für mich von einem Satz, den mir mein Jurynachbar ins Ohr flüsterte: "Frau Petschinka, ich glaube, ich muß ihnen mal was über Wissenschaftskommunikation erklären - ich verstehe überhaupt nicht, nach welchen Kriterien sie hier urteilen!". Das hat mich doch einigermaßen irritiert.
Die nächste Station: Linz. Die OrganisatorInnen haben ihre Lektion in Graz gelernt: sie machten ihre Runden in den Labors und Instituten und konnten so bereits genügend KandidatInnen für die Linzer Vorrunde motivieren. Die Vize-Rektorin hielt ihre Begrüßungsrede und wollte dann eigentlich gleich wieder abzischen... blieb dann aber doch bis zum Ende der ersten Vorrundenrunde - und das war ein sehr nettes Kompliment an die KandidatInnen, finde ich.
Wieder mit dabei (wie in allen Vorrunden): der Moderator Günter Getzinger, Leiter des Interuniversitären Forschungszentrums für Technik, Arbeit und Kultur in Graz. Ein wandelndes Anekdotenlexikon und immer wieder beeindruckend. Anfangs fand ich, dass seine Einleitungen zu lange und schnörkselig waren im Vergleich zu den drei Minuten, die die nervösen KandidatInnen zur Verfügung hatten - aber dann hat er sich immer wieder gut eingependelt und verblüffende Dinge erzählt. Wirklich unglaublich - er kann zu jedem Thema eine kleine Geschichte erzählen oder findet eine gute Überleitung.
Außerdem ist das ja klarer Weise etwas unfair von mir: ich und der Kollege vom FWF waren die einzigen Jurymitglieder, die bei allen drei Vorrunden dabei waren. Und wir haben vieles natürlich doppelt und dreifach gehört, was der Moderator erzählt hat... für alle anderen wars neu und frisch und daher besser.
Station Nummer 3: Wien Hier gabs die meisten Anmeldungen und wir mußten zum ersten Mal zwischen der ersten und zweiten Runde bereits ein paar KandidatInnen nach Hause schicken. Eine schwierige Aufgabe mit viel Diskussion und letztendlich einer Jury-internen Abstimmung. Es ist ein unangenehmes Gefühl, überstimmt zu werden. Aber so ist die Demokratie wahrscheinlich. Unangenehm und doch wieder gut (hoffentlich).
Und dann wieder am Ende: nochmal so eine knappe Abstimmung und wieder wurde ich überstimmt (ok, was hilft: nicht ich alleine - also wars umso knapper).
Was wirklich schwierig war: da war eine KandidatIn - eine Architektin - mit so viel Weitblick und Überblick und Wissen; die war wirklich faszinierend. leider ist sie nicht zum Punkt gekommen und leider war sie in der schwierigen Situation, dass sie für die zweite Runde keine Kinderbetreuung gefunden hat. Also war sie da, mit irritiertem (und daher unruhigem) Kind am Arm. Ein deutliches Beispiel für die Situation der Frau in der Wissenschaft, oder? Aber darum ging es nicht. Oder doch? Es gibt in Juryzusammensetzungen dann immer wieder den Reflex: nein, wir wählen sie nicht, nur weil sie jetzt mit dem Kind da ist. Oder (nicht dieses Mal): nein, wir können sie jetzt nicht wählen, nur weil sie eine Frau ist.
Plötzlich (und das habe ich während meiner wenigen Jury-Erfahrungen jetzt erschreckend oft herausgefunden) sind die Abwehrreflexe gegen Nebenfaktoren (Kind, Frausein... ja, sind in diesem Zusammenhang glaub ich wirklich nebenfaktoren, oder?) viel stärker als die Konzentration auf das, worum es eigentlich geht. Und was will man gegen "überkorrekte Frauen" machen, die sich dann aus Angst, als Frauenunterstützerin zu gelte, partout gegen die Frauen stemmt? Auch erlebt.
Ich habe wiedermal gelernt: Wenn Frauen auftreten, die nicht in das Schema passen - oder doch, dann aber zu sehr, oder vielleicht grad in der Mitte sind, aber dann langweilig... dann gehts immer noch um andere Dinge. Dann werden immer noch andere Maßstäbe angelegt. Und dann findet die Diskussion auf ganz anderen Ebenen statt. Das ist komisch. Und ich weiß leider noch immer nicht wirklich, wie ich darauf reagieren soll (außer mit Wut, aber die bringt mich nicht wirklich weiter - auch schon ausprobiert!). Wie ist die richtige Strategie, um in einer Jurysitzung von Nebenschauplätzen wieder zurück zu kommen? In 20 Minuten? Vielleicht ist das hier der erste Schritt. Ein Ordnen der Gedanken und Begebenheiten. Na dann!
Das Finale: Technisches Museum in Wien. Dass die Veranstaltung an einem Samstag stattfindet löst einiges an Murren aus. Für viele ist FameLab viel mehr Beruf als Privat. Aber abgesehen davon: Eine gute Veranstaltung. Schön fand ich die kleinen Filmchen über die Auditions (die Vorrunden). Weniger schön fand ich die Größe der Jury (ok, und dass ich nicht in der Jury war hat mich auch etwas verärgert - aber ich verstehe die Gründe gut). Und die Besetzung (aber ich verstehe die Gründe gut). Hier zeigte sich deutlich: die Interessend der SponsorInnen sind nicht die Interessen des Publikums. Wie man diesen Widerspruch auflöst? Hm.
Die KandidatInnen waren allesamt sehr gut. Ganz besonders hat mich das Blackout meiner Lieblingskandidatin geschmerzt - und viele andere auch. Aber so ist das nun mal und passiert allen irgendwann einmal.
Ich hab an diesem Abend zum ersten Mal Prof. Taschner erzählen gehört. Der ist ja wirlich extrem beeindruckend. Es ist unglaublich angenehm ihm zuzuhören - und wie er und was er erzählt hat Hand und Fuß, einen Anfang und ein Ende und viele Hochs zwischendrinnen. Bravo! So gesehen: gut, dass ich nicht in der Jury war, denn während Taschner erzählte, diskutierte die Jury im Hinterzimmer!
Ich bin mit dem Ergebnis übrigens sehr zufrieden. Jetzt bin ich gespannt, ob der Herr Gewinner mehr "verwertet" wird als der Vorjahressieger. Aber das weiß man erst im Nachhinein. Dann, wenn man immer gscheiter ist.
Hier gibts Fotos dazu: FameLab2008 - Bildergalerie @ www.britishcouncil.orf
Das hab ich über die Audiopreis geschrieben:
jupe - am Dienstag, 13. Mai 2008, 15:05 - Rubrik: wissenschaftliches