Hm, jetzt hab ich grad meine Eindrücke vergangener Technologiegespräche durchgeschaut - und weiß nichtmehr, was ich schreiben könnte. Alles steht doch schon geschrieben. Es passiert nämlich immer dasselbe. In derselben Reihenfolge. Und eigentlich mit so gut wie denselben Leuten. Aber warum ist man trotzdem in Alpbach, wenn alles so ist wie in "und täglich grüßt das Murmeltier"? Letztendlich gehts hauptsächlich um Geld und Macht - konkret bei den Technologiegesprächen: ums Erfinden, Backen und Verteilen des Förderkuchens. Und so treffen sich Köchinnen, Kellner, Marktstandlerinnen, Hungrige und KochbuchschreiberInnen jedes Jahr wieder. Und immer geht es um diesen oder den nächsten Kuchen. Und natürlich auch um wissenschaftliche Vorträge und gesellschaftspolitische Arbeitskreise.
Mein ambitioniertes Programm hab ich recht bald über Bord geworfen. Einerseits wegen dem Wetter und andererseits, weil sich Abendempfänge nur schwer mit Frühmorgensvorträge kombinieren lassen. Und weil es daneben immer Dinge zu besprechen gibt.
Hier also mein persönliches Alpbach 2008 - Tagebuch:
MITTWOCH

Gender-Cocktail am Abend im Böglerhof (Merke: anschließendes Buffet; vorher also nichts essen gehen! Wieder alles falsch gemacht und selbst bezahlt fürs Abendessen. Tz). Präsentation des Gender Booklets 2007 zur Situation der Wissenschaftlerinnen in der Außeruniversitären Forschung Österreichs. Kurz zusammengefaßt: es hat sich so gut wie nix gegenüber 2006 geändert oder gar verbessert.
Danach schnell zum Alpbacherhof hetzen, weil die nächste Veranstaltung zeitlich etwas überlappend beginnt (und weil es nicht genügend Sitzplätze gibt). Thema: Österreichischer Forschungsdialog, inkl anschließendem Fingerfood, das ich schon wieder nicht konsumiere! Bin wieder woanders, mir in einer kleinen Runde mal ein bißchen Ruhe für Aug und Ohr gönnen. Seltsam, erst ein paar Stunden in Alpbach und schon das Bedürfnis nach Ruhe.
DONNERSTAG: Der wohl dichteste Tag.

Zunächst am Vormittag die Pressekonferenz der GFF (Gesellschaft zur Förderung der Forschung) in der finsteren Fuggerstube des Böglerhofs. Aufgrund des Begräbnisses von Altbundeskanzler Sinowatz sind nur wenige PolitikerInnen anwesend. Daher drängeln sich in der dunklen Kammer JournalistInnen, PressesprecherInnen, KabinettsmitarbeiterInnen, BetriebsrätInnen, Geschäftsführer(keine Innen) um STS Kranzl. Wie immer: kein Licht, keine Luft und Kellner, die im 10Minuten-Takt Kaffee hereinbringen. Merke: fester drängeln, um nicht die Türe ständig ins Kreuz geschlagen zu bekommen. Sitzplatz rechts neben der Türe ist ideal.
Zeitgleich beginnt der Technologiebrunch der Tiroler Zukunftsstiftung am anderen Ende des schönen Blumendorfs. Aber zeitmäßig gut geplant: Sobald die Pressekonferenz aus ist, kann man noch zum Brunch hetzen, um mittagessenmäßig versorgt zu sein. Merke: Hand- und Laptoptasche sind hier ziemlich im Weg. Umhängetasche OK.
Ab 13:00 der tatsächliche Beginn der Alpbacher Technologiegespräche, die dieses Jahr zum 25. mal stattfinden.
Eröffnung durch den Vizepräsidenten Dr. Erich Gornik (Randnotiz: ich erkenne wiedermal, wie wichtig die Funktion "Präsident" oder "Vizepräsident" in Österreich zu sein scheint. Liebend gerne wird hier gefragt: "Wo ist mein Präsident?" oder "Hast du schon einen neuen Präsidenten?" oder "Hörr Präsident, warten Sie....". Schon seltsam. "Frau Präsidentin" hab ich übrigens nicht gehört. Kann wohl nur daran liegen, dass es den Frau Präsidentinnen unangenehm ist, so gerufen zu werden, und sicher nicht daran, dass es die Frau Präsidentinnen nicht gibt, oder?... aber zurück nach Alpbach): "Leben ist Risiko" steht in meinem Heft.
Dann geht es weiter mit BM Hahn und STS Kranzl, die wieder mal im Dauereinsatz ist (als sie selbst und als Vertretung). Zu BM Hahn: "Österreich ist Europameister im Aufholprozeß für F&E-Entwicklung" (na wenigstens irgendwo!) und: "Die indirekte Forschungsförderung is a Hit", bevor er zum Ort des Tagesgesprächs fährt: Medizinuniversität in Innsbruck. Hot, hot, hot!

Weiter dann mit Haim Harari, der 5 Facts über die Wissenschaft an sich präsentiert:
* Science is everywhere
* Science ia an enormous economic asset
* Science fails in its Public Relations
* Science must be monitored and evaluated
* Science advances slowly on a long time scale
Zum Mißverständnis zwischen der Wissenschaft, wie sie in Wirklichkeit ist, und dem, was die Öffentlichkeit darüber denkt, hat er gemeint:
"The public thinks that science knows answers, constantly changes, is arrogant, is precise, is logical and can be directed - BUT science also asks questions, changes hierachically, says: "I don´t know", is approximate, is also intuitive and cannot be directed". Er fordert also energisch: "Science-Education for all, but don´t forget the rest", denn: "we don´t want to live in a world, that has only science - this must be an awful world". Also, ran an die Geschichte, ab ins Museum! Außerdem fordert er, dass alle mindestens drei Sprachen lernen sollen: die eigene Muttersprache, Englisch und Mathematik.
Kaffeepause. Sehr notwendig. Merke: Wasserflasche im Supermarkt kaufen und mit hinein nehmen!
Weiter mit dem Thema "Ethik in der Wissenschaft" und Jan Helge Solbakk von der UNESCO, der letztendlich auch fordert: "engage with science and politics in honest and realistic conversations about the present status of research and technology and about the "ethical costs"".
Und dann muß ich gestehen: über das Stammzellenplenum, jenes über Politik und Wissenschaft und über jenes über Bionik kann ich nichts sagen. War woanders. Die Sonne scheint und mir ist endlich warm - am Tag davor nämlich: Regen und Kälte, Brr. Merke: immer, immer, immer Pullover und wärmere Schuhe mitnehmen. Und nicht nur Alpbach-Forum-konforme Kleidchens und Schucherl. Und merke außerdem: Bergschuhe mitnehmen. Denn: wenn mal die Sonne scheint.... Als Kompromiß: mit dem Auto ein bißchen bergauf zum Gasthaus Zotta, berühmt für den Kaiserschmarrn und die gemischten Omletts - beides himmlisch gut! Und natürlich berühmt für den herrlichen Blick ins Alpbachtal.

Und dann natürlich der Hammer am Abend: Empfang von Alcatel-Lucent im Böglerhof. Großes Gedränge, großes Buffet, sehr grimmige KellnerInnen. Merke: vorher gemütlich woanders was essen - aber INKL Nachspeise, denn die ist im Böglerhof schnell weg, und man sollte sicherheitshalber nicht nachfragen. Ich: "gibt es noch eine Nachspeise?". Kellnerin: "Ich sehe keine". Merke außerdem: achtung, gratis-Alkohol nur bis 24h; also schneller trinken, wer einen billigen Rausch haben will (und das wollen offensichtlich sehr viele)! Und ein kleiner Tipp an die umliegenden Lokale: ab ca 2:30 ist Schluß mit Böglerhof und die Meute von mindestens 50 durstigen Partymenschen steht nicht gerne vor verschlossenen Türen. Wie empörend :-)

FREITAG
Arbeitskreise von 9-16h. Ein riesen Programm in der Hauptschule. Ich sitze in der Nummer 6: "Gender Mainstreaming in Forschung und Entwicklung - Realitäten wahrnehmen und visionär entscheiden".

Der Andrang ist sehr groß. Immer wieder müssen neue Sessel geholt werden, bis es in der ganzen Hauptschule keine mehr gibt. Etwa 5 Männer sind auch mit dabei. Zu wenige, aber immerhin. Das Podium ist gut durchmischt (lauter Frauen aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Erfahrungen, unterschiedlich interessant), die Diskussion angeregt und überhaupt: ich bin sehr zufrieden. Nicht mit der Situation, natürlich. Hier in wirklicher Extremkürze der 1. Teil zum Thema Wahrnehmung (den zweiten Teil hab ich nur fragmentehaft mitbekommen. Merke: es gibt so gut wie keine Steckdosen für Ladekabel von Laptops außerhalb der Klassenzimmer - eine ist hinter den Garderoben des Turnsaals. Merke auch: arbeiten während eines Arbeitskreises ist sowieso eine blöde Idee. Merke außerdem: schade, dass ich mir nicht alles merken kann.)

* STS Kranzl eröffnet mit einer Zusammenfassung ihrer Programme und der Kennzahlen des Genderbooklets
* Susanne Ihsen (Prof. für Genderstudies in Ingeneurswissenschaften, D): "zu wenige zu sein ist schon auch sehr anstrengend". Sie plädiert für "Unruheherde innerhalb eines Systems" und meint, dass man ein gängiges System (sei es Uni, Firma, Gesellschaft) nur von innen heraus ändern kann und sollte... aber sie plädierte noch für vieles mehr...
* Satu Paasilehto (Finland): "when the problems are deeply cultural, there are no technical solutions", "male-dominant science creates male-dominant innovations", "women are the lost ressources"
* Monika Kircher-Kohl (Infineon) erzählt über die Gendermainstreaming- und Diversity-Maßnahmen, die sie mit viel Energie vorantreibt. Gut. gut. gut!
* Gisela Hopfmüller-Hlavac (ORF) fordert mehr Self-Marketing der Frauen und WissenschaftlerInnen im Speziellen. "Frauen reden in Interviews eher im Konjunktiv, das kann man für eine Sendung nicht gebrauchen". Sie fordert auch mehr Medientrainings für WissenschaftlerInnen.
* HIlde Bautz-Holter Geving (Norwegen) erzählt darüber, wie es gelingt, in Norwegen fast überall eine Frauenquote von 40% zu haben. Extrem faszinierend. Hier werde ich noch mehr recherchieren...
Die Nachmittagsdiskussion dreht sich um Diversity ("es braucht neue Rollenbilder für Frauen und Männer, es braucht Rahmenbedingungen für neue Rollenbilder und es braucht Vorbilder") und Quote. Gute Diskussion, gute Anregungen, ernüchternd trotzdem auch.
Danach gibts mal einen Salat (merke: wer was gesundes essen will, geht lieber woanders hin und zahlt dafür) und Palatschinken in einem ruhigen Eck des Gasthofs Post. Ah, schön.
Und dann, natürlich: Pilgerspaziergang zu Erwin Schrödingers Grab am Alpbacher Friedhof.

Die wissenschaftlichen Vorträge zu den Themen "Magnetismus im Nanostrukturbereich" und "Globaler Wettbewerb um globale Talente" finden ohne mein Beisein statt. Wieder bin ich falsch gekleidet und mit falschen Schuhen (und daher mit dem Auto) beim Gasthof Zotter und kämpfe mich durch ein gemischtes Omlett. Uff, uff, doppeluff. Aber lecker.

Oben bekomme ich eine Nacherzählung des Magnetismus´- Vortrags, der inhaltlich extrem spannend gewesen sein soll.
Eigentlich ist ja der elitäre Abendempfang von NÖ. Eintritt nur nach Voranmeldung (Wochen vorher). Wir wollen Stunden nach Beginn noch dazu kommen, aber: nicht alle stehen auf der Liste - und so müssen wir sehr raunzen, dass wir wenigstens an die Hotelbar dürfen ("ja, aber sie müssen schon selber bezahlen"). Es ist wie mit 15 vor dem P1 (ja, na und?) - bitte, bitte, darf ich rein? Ich bin eh schon 16! Ehrlich.
Dafür bekommen jene, die tatsächlich auf der Liste stehen ein Geschenk: einen USB-Stick mit NÖ-Logo und Laserpointer-Funktion. Der wievielte USB-Stick ist das diesmal eigentlich? Die Nacht ist lang. Es geht dann noch zum Jakober-Wirten (wo eine seltsame StudentInnen-Party stattfindet - die meisten der Frauen haben entweder auf den Oberarmen oder gleich im Dekoltee seltsame Aufkleber: Blau, rund und mit "pro europa". Hm. Und die meisten Männer sind ziemlich betrunken) und für einige noch weiter.
SAMSTAG
Müde Gesichter, rauhe Stimmen, langsame Schritte.
Abschluß der Alpbach-Ö1-Kinderuni mit "Kinderzoo".

Vier arme Kinder müssen auf die Bühne und werden extrem ungeschickt ausgefragt, was ihnen an der Ö1-Kinderuni gefallen hat und warum und wie alt bist du denn. Sie sind eingeschüchtert vom Publikum und haben wenig Lust, als Herzeigeobjekte behandelt zu werden. Und müssen sich dann auch noch anhören: "Wieso seits denn so nervös, brauchts ihr doch garnicht" (dabei hatten die noch kein Medien- und Publikumstraining, sondern wollen einfach wieder weg). Es gibt ein paar Hörproben der Ö1-Kinderunisendungen, die in Alpbach entstanden sind. Wieder mal: "es ist wichtig, den Kindern die Wissenschaft näher zu bringen, es ist wichtig, schon bei den allerjüngsten eine Liebe zur Wissenschaft entstehen zu lassen... und: Kinder fragen das, was Erwachsene sich nie fragen trauen würden!". Meine Fragen dazu: Warum trauen sich "die Erwachsenen" nicht? Weil sie vielleicht in einem System drinnen stecken, in dem kritische Fragen nicht mehr gewünscht sind? Weil sie von den bisherigen Antworten desilusioniert wurden? Weil ihnen der Sinn für Banalität abhanden gekommen ist? Weil sie glauben, von ihnen wird Alleswissertum erwartet und daher müssen sie sich so verhalten?
Also stellen die Kinder die Fragen in der Sendung. Fragen, die garnicht nach Kinderfragen klingen. Sie bekommen Antworten, die nicht nach Kinderantworten klingen - sondern so, wie sich "die Erwachsenen" das so vorstellen. Meiner Meinung nach geht es hier nicht um Kinder, sie werden eher nur als Funktion verwendet, und nicht als eigenständige Wesen - sondern um einen Ort, wo "die Erwachsenen" ein bißchen Kind spielen können. Würde man das vielleicht zugeben können, würde man seinen Blickwinkel dahingehend ändern können, wäre das ja gar nicht so schlecht. "Die Erwachsenen" sollen Kinder sein dürfen!

Dann noch die Präsentation von Junior-Alpbach, wo diesmal auch Josef Penninger als Betreuer mit dabei war. Er meint: "Für mich ist Wissenschaft wie ein Virus, und ich hoffe, dass ich einige von euch mit dem Virus infiziert habe".
Als Abschluß ein Höhepunkt:

Marc Abrahams und sein Ignobel-Preis/Projekt. Es gibt viel Gelächter und Staunen - wohl überall, wo er auftritt. Er erzählt zwar fast genau das gleiche wie vor ein paar Jahren schon in Alpbach (nur aktualisiert eben), aber das ist egal. So einen lockeren, lustigen, trotzdem wissenschaftlich korrekten Vortrag höre ich immer gerne. Und es ist auch wichtig, am Ende dieser vier absurden Tage in einem Vortrag zu sitzen und gemeinsam mit allen anderen so herzhaft lachen zu können.
Mein ambitioniertes Programm hab ich recht bald über Bord geworfen. Einerseits wegen dem Wetter und andererseits, weil sich Abendempfänge nur schwer mit Frühmorgensvorträge kombinieren lassen. Und weil es daneben immer Dinge zu besprechen gibt.
Hier also mein persönliches Alpbach 2008 - Tagebuch:
MITTWOCH

Gender-Cocktail am Abend im Böglerhof (Merke: anschließendes Buffet; vorher also nichts essen gehen! Wieder alles falsch gemacht und selbst bezahlt fürs Abendessen. Tz). Präsentation des Gender Booklets 2007 zur Situation der Wissenschaftlerinnen in der Außeruniversitären Forschung Österreichs. Kurz zusammengefaßt: es hat sich so gut wie nix gegenüber 2006 geändert oder gar verbessert.
Danach schnell zum Alpbacherhof hetzen, weil die nächste Veranstaltung zeitlich etwas überlappend beginnt (und weil es nicht genügend Sitzplätze gibt). Thema: Österreichischer Forschungsdialog, inkl anschließendem Fingerfood, das ich schon wieder nicht konsumiere! Bin wieder woanders, mir in einer kleinen Runde mal ein bißchen Ruhe für Aug und Ohr gönnen. Seltsam, erst ein paar Stunden in Alpbach und schon das Bedürfnis nach Ruhe.
DONNERSTAG: Der wohl dichteste Tag.

Zunächst am Vormittag die Pressekonferenz der GFF (Gesellschaft zur Förderung der Forschung) in der finsteren Fuggerstube des Böglerhofs. Aufgrund des Begräbnisses von Altbundeskanzler Sinowatz sind nur wenige PolitikerInnen anwesend. Daher drängeln sich in der dunklen Kammer JournalistInnen, PressesprecherInnen, KabinettsmitarbeiterInnen, BetriebsrätInnen, Geschäftsführer(keine Innen) um STS Kranzl. Wie immer: kein Licht, keine Luft und Kellner, die im 10Minuten-Takt Kaffee hereinbringen. Merke: fester drängeln, um nicht die Türe ständig ins Kreuz geschlagen zu bekommen. Sitzplatz rechts neben der Türe ist ideal.
Zeitgleich beginnt der Technologiebrunch der Tiroler Zukunftsstiftung am anderen Ende des schönen Blumendorfs. Aber zeitmäßig gut geplant: Sobald die Pressekonferenz aus ist, kann man noch zum Brunch hetzen, um mittagessenmäßig versorgt zu sein. Merke: Hand- und Laptoptasche sind hier ziemlich im Weg. Umhängetasche OK.
Ab 13:00 der tatsächliche Beginn der Alpbacher Technologiegespräche, die dieses Jahr zum 25. mal stattfinden.
Eröffnung durch den Vizepräsidenten Dr. Erich Gornik (Randnotiz: ich erkenne wiedermal, wie wichtig die Funktion "Präsident" oder "Vizepräsident" in Österreich zu sein scheint. Liebend gerne wird hier gefragt: "Wo ist mein Präsident?" oder "Hast du schon einen neuen Präsidenten?" oder "Hörr Präsident, warten Sie....". Schon seltsam. "Frau Präsidentin" hab ich übrigens nicht gehört. Kann wohl nur daran liegen, dass es den Frau Präsidentinnen unangenehm ist, so gerufen zu werden, und sicher nicht daran, dass es die Frau Präsidentinnen nicht gibt, oder?... aber zurück nach Alpbach): "Leben ist Risiko" steht in meinem Heft.
Dann geht es weiter mit BM Hahn und STS Kranzl, die wieder mal im Dauereinsatz ist (als sie selbst und als Vertretung). Zu BM Hahn: "Österreich ist Europameister im Aufholprozeß für F&E-Entwicklung" (na wenigstens irgendwo!) und: "Die indirekte Forschungsförderung is a Hit", bevor er zum Ort des Tagesgesprächs fährt: Medizinuniversität in Innsbruck. Hot, hot, hot!

Weiter dann mit Haim Harari, der 5 Facts über die Wissenschaft an sich präsentiert:
* Science is everywhere
* Science ia an enormous economic asset
* Science fails in its Public Relations
* Science must be monitored and evaluated
* Science advances slowly on a long time scale
Zum Mißverständnis zwischen der Wissenschaft, wie sie in Wirklichkeit ist, und dem, was die Öffentlichkeit darüber denkt, hat er gemeint:
"The public thinks that science knows answers, constantly changes, is arrogant, is precise, is logical and can be directed - BUT science also asks questions, changes hierachically, says: "I don´t know", is approximate, is also intuitive and cannot be directed". Er fordert also energisch: "Science-Education for all, but don´t forget the rest", denn: "we don´t want to live in a world, that has only science - this must be an awful world". Also, ran an die Geschichte, ab ins Museum! Außerdem fordert er, dass alle mindestens drei Sprachen lernen sollen: die eigene Muttersprache, Englisch und Mathematik.
Kaffeepause. Sehr notwendig. Merke: Wasserflasche im Supermarkt kaufen und mit hinein nehmen!
Weiter mit dem Thema "Ethik in der Wissenschaft" und Jan Helge Solbakk von der UNESCO, der letztendlich auch fordert: "engage with science and politics in honest and realistic conversations about the present status of research and technology and about the "ethical costs"".
Und dann muß ich gestehen: über das Stammzellenplenum, jenes über Politik und Wissenschaft und über jenes über Bionik kann ich nichts sagen. War woanders. Die Sonne scheint und mir ist endlich warm - am Tag davor nämlich: Regen und Kälte, Brr. Merke: immer, immer, immer Pullover und wärmere Schuhe mitnehmen. Und nicht nur Alpbach-Forum-konforme Kleidchens und Schucherl. Und merke außerdem: Bergschuhe mitnehmen. Denn: wenn mal die Sonne scheint.... Als Kompromiß: mit dem Auto ein bißchen bergauf zum Gasthaus Zotta, berühmt für den Kaiserschmarrn und die gemischten Omletts - beides himmlisch gut! Und natürlich berühmt für den herrlichen Blick ins Alpbachtal.

Und dann natürlich der Hammer am Abend: Empfang von Alcatel-Lucent im Böglerhof. Großes Gedränge, großes Buffet, sehr grimmige KellnerInnen. Merke: vorher gemütlich woanders was essen - aber INKL Nachspeise, denn die ist im Böglerhof schnell weg, und man sollte sicherheitshalber nicht nachfragen. Ich: "gibt es noch eine Nachspeise?". Kellnerin: "Ich sehe keine". Merke außerdem: achtung, gratis-Alkohol nur bis 24h; also schneller trinken, wer einen billigen Rausch haben will (und das wollen offensichtlich sehr viele)! Und ein kleiner Tipp an die umliegenden Lokale: ab ca 2:30 ist Schluß mit Böglerhof und die Meute von mindestens 50 durstigen Partymenschen steht nicht gerne vor verschlossenen Türen. Wie empörend :-)

FREITAG
Arbeitskreise von 9-16h. Ein riesen Programm in der Hauptschule. Ich sitze in der Nummer 6: "Gender Mainstreaming in Forschung und Entwicklung - Realitäten wahrnehmen und visionär entscheiden".

Der Andrang ist sehr groß. Immer wieder müssen neue Sessel geholt werden, bis es in der ganzen Hauptschule keine mehr gibt. Etwa 5 Männer sind auch mit dabei. Zu wenige, aber immerhin. Das Podium ist gut durchmischt (lauter Frauen aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Erfahrungen, unterschiedlich interessant), die Diskussion angeregt und überhaupt: ich bin sehr zufrieden. Nicht mit der Situation, natürlich. Hier in wirklicher Extremkürze der 1. Teil zum Thema Wahrnehmung (den zweiten Teil hab ich nur fragmentehaft mitbekommen. Merke: es gibt so gut wie keine Steckdosen für Ladekabel von Laptops außerhalb der Klassenzimmer - eine ist hinter den Garderoben des Turnsaals. Merke auch: arbeiten während eines Arbeitskreises ist sowieso eine blöde Idee. Merke außerdem: schade, dass ich mir nicht alles merken kann.)

* STS Kranzl eröffnet mit einer Zusammenfassung ihrer Programme und der Kennzahlen des Genderbooklets
* Susanne Ihsen (Prof. für Genderstudies in Ingeneurswissenschaften, D): "zu wenige zu sein ist schon auch sehr anstrengend". Sie plädiert für "Unruheherde innerhalb eines Systems" und meint, dass man ein gängiges System (sei es Uni, Firma, Gesellschaft) nur von innen heraus ändern kann und sollte... aber sie plädierte noch für vieles mehr...
* Satu Paasilehto (Finland): "when the problems are deeply cultural, there are no technical solutions", "male-dominant science creates male-dominant innovations", "women are the lost ressources"
* Monika Kircher-Kohl (Infineon) erzählt über die Gendermainstreaming- und Diversity-Maßnahmen, die sie mit viel Energie vorantreibt. Gut. gut. gut!
* Gisela Hopfmüller-Hlavac (ORF) fordert mehr Self-Marketing der Frauen und WissenschaftlerInnen im Speziellen. "Frauen reden in Interviews eher im Konjunktiv, das kann man für eine Sendung nicht gebrauchen". Sie fordert auch mehr Medientrainings für WissenschaftlerInnen.
* HIlde Bautz-Holter Geving (Norwegen) erzählt darüber, wie es gelingt, in Norwegen fast überall eine Frauenquote von 40% zu haben. Extrem faszinierend. Hier werde ich noch mehr recherchieren...
Die Nachmittagsdiskussion dreht sich um Diversity ("es braucht neue Rollenbilder für Frauen und Männer, es braucht Rahmenbedingungen für neue Rollenbilder und es braucht Vorbilder") und Quote. Gute Diskussion, gute Anregungen, ernüchternd trotzdem auch.
Danach gibts mal einen Salat (merke: wer was gesundes essen will, geht lieber woanders hin und zahlt dafür) und Palatschinken in einem ruhigen Eck des Gasthofs Post. Ah, schön.
Und dann, natürlich: Pilgerspaziergang zu Erwin Schrödingers Grab am Alpbacher Friedhof.

Die wissenschaftlichen Vorträge zu den Themen "Magnetismus im Nanostrukturbereich" und "Globaler Wettbewerb um globale Talente" finden ohne mein Beisein statt. Wieder bin ich falsch gekleidet und mit falschen Schuhen (und daher mit dem Auto) beim Gasthof Zotter und kämpfe mich durch ein gemischtes Omlett. Uff, uff, doppeluff. Aber lecker.

Oben bekomme ich eine Nacherzählung des Magnetismus´- Vortrags, der inhaltlich extrem spannend gewesen sein soll.
Eigentlich ist ja der elitäre Abendempfang von NÖ. Eintritt nur nach Voranmeldung (Wochen vorher). Wir wollen Stunden nach Beginn noch dazu kommen, aber: nicht alle stehen auf der Liste - und so müssen wir sehr raunzen, dass wir wenigstens an die Hotelbar dürfen ("ja, aber sie müssen schon selber bezahlen"). Es ist wie mit 15 vor dem P1 (ja, na und?) - bitte, bitte, darf ich rein? Ich bin eh schon 16! Ehrlich.
Dafür bekommen jene, die tatsächlich auf der Liste stehen ein Geschenk: einen USB-Stick mit NÖ-Logo und Laserpointer-Funktion. Der wievielte USB-Stick ist das diesmal eigentlich? Die Nacht ist lang. Es geht dann noch zum Jakober-Wirten (wo eine seltsame StudentInnen-Party stattfindet - die meisten der Frauen haben entweder auf den Oberarmen oder gleich im Dekoltee seltsame Aufkleber: Blau, rund und mit "pro europa". Hm. Und die meisten Männer sind ziemlich betrunken) und für einige noch weiter.
SAMSTAG
Müde Gesichter, rauhe Stimmen, langsame Schritte.
Abschluß der Alpbach-Ö1-Kinderuni mit "Kinderzoo".

Vier arme Kinder müssen auf die Bühne und werden extrem ungeschickt ausgefragt, was ihnen an der Ö1-Kinderuni gefallen hat und warum und wie alt bist du denn. Sie sind eingeschüchtert vom Publikum und haben wenig Lust, als Herzeigeobjekte behandelt zu werden. Und müssen sich dann auch noch anhören: "Wieso seits denn so nervös, brauchts ihr doch garnicht" (dabei hatten die noch kein Medien- und Publikumstraining, sondern wollen einfach wieder weg). Es gibt ein paar Hörproben der Ö1-Kinderunisendungen, die in Alpbach entstanden sind. Wieder mal: "es ist wichtig, den Kindern die Wissenschaft näher zu bringen, es ist wichtig, schon bei den allerjüngsten eine Liebe zur Wissenschaft entstehen zu lassen... und: Kinder fragen das, was Erwachsene sich nie fragen trauen würden!". Meine Fragen dazu: Warum trauen sich "die Erwachsenen" nicht? Weil sie vielleicht in einem System drinnen stecken, in dem kritische Fragen nicht mehr gewünscht sind? Weil sie von den bisherigen Antworten desilusioniert wurden? Weil ihnen der Sinn für Banalität abhanden gekommen ist? Weil sie glauben, von ihnen wird Alleswissertum erwartet und daher müssen sie sich so verhalten?
Also stellen die Kinder die Fragen in der Sendung. Fragen, die garnicht nach Kinderfragen klingen. Sie bekommen Antworten, die nicht nach Kinderantworten klingen - sondern so, wie sich "die Erwachsenen" das so vorstellen. Meiner Meinung nach geht es hier nicht um Kinder, sie werden eher nur als Funktion verwendet, und nicht als eigenständige Wesen - sondern um einen Ort, wo "die Erwachsenen" ein bißchen Kind spielen können. Würde man das vielleicht zugeben können, würde man seinen Blickwinkel dahingehend ändern können, wäre das ja gar nicht so schlecht. "Die Erwachsenen" sollen Kinder sein dürfen!

Dann noch die Präsentation von Junior-Alpbach, wo diesmal auch Josef Penninger als Betreuer mit dabei war. Er meint: "Für mich ist Wissenschaft wie ein Virus, und ich hoffe, dass ich einige von euch mit dem Virus infiziert habe".
Als Abschluß ein Höhepunkt:

Marc Abrahams und sein Ignobel-Preis/Projekt. Es gibt viel Gelächter und Staunen - wohl überall, wo er auftritt. Er erzählt zwar fast genau das gleiche wie vor ein paar Jahren schon in Alpbach (nur aktualisiert eben), aber das ist egal. So einen lockeren, lustigen, trotzdem wissenschaftlich korrekten Vortrag höre ich immer gerne. Und es ist auch wichtig, am Ende dieser vier absurden Tage in einem Vortrag zu sitzen und gemeinsam mit allen anderen so herzhaft lachen zu können.
jupe - am Samstag, 23. August 2008, 17:46 - Rubrik: wissenschaftliches
shisui meinte am 27. Aug, 14:22:
interessanter blick hinter die kulissen :-)