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picture taken by aimee blaskovic
Weblog von Julia Petschinka

 
Die neueste Ausgabe des deutschen Flamencomagazins anda ist erschienen. Mitten drin wieder ein Beitrag von mir. Diesmal über den Auftritt der Wiener Tänzerin Gerda La Guita gemeinsam mit der Gruppe Los Remedios beim 2. Höfefest in Klosterneuburg.

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Bild von Brigitta Knoll
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Gerda la Guita mit Los Remedios, 2. Höfefest in Klosterneuburg, 6.9.2008
Als wir ankommen, steht La Guita vor einem der Höfe der schmucken Kleinstadt bei Wien und wartet. Um sie herum tummeln sich duzende Gäste, die zwischen den sieben Höfen schlendern, in denen das Fest ausgetragen wird. Sie ist ein wenig nervös. Die Musiker von „Los Remedios“ sind noch nicht eingetroffen und mittlerweile hätte der Soundcheck schon längst vorbei sein sollen und sie hätten schon entscheiden sollen, was sie an diesem lauen Spätsommerabend auf die Bühne bringen wollen. Flamenco in seiner klassischen, traditionellen Ausprägung – das ja. Das ist der Stil, den La Guita konsequent verfolgt. Aber ob die Bata de Cola, die Hose oder das Sevillanas-Kleid zum Einsatz kommen werden, weiß sie noch nicht. Der Gitarrist und Sänger Morenito de Triana, sein Bruder Mateo, der sowohl als Tänzer, Sänger und Pianist auftritt, Cyro an der Violine und Michael Caba am Cajón sind eine zu Recht viel gebuchte Gruppe, die Flamenco mit intensiver Leidenschaft und schelmischen Witz auf die Bühne bringt. Und es ist doch irgendwie „tipico flamenco“, wenns ein wenig später beginnt – womit auch immer. An diesem Abend ist ohnehin einiges „tipico flamenco-Freiluftfestival“. Es ist warm und unzählige Menschen mit ihren Kindern drängen in den Hof, um La Guita, die gebürtige Klosterneuburgerin, zu sehen. Es ist laut im Publikum. Es wird viel getratscht und geklatscht. Nur das mit dem Zuhören bei leisen Gitarreklängen funktioniert noch nicht so ganz, denn die Erwartungshaltung ist auf Tanz und Spektakel eingestellt – weil es auch so in der Ankündigung steht: „Flamenco Show“.

Zu Beginn gibt’s viele Ahs und Ohs bei den Sevillanas, die La Guita mit Mateo verführerisch und mit viel Energie tanzt. Ha, jetzt aber! Weiter geht’s mit einer präzisen, spannungsgeladenen Farruca in Hosen, wo so manche Mädchenträume von schönen Prinzessinenkleidern jäh zerstört werden. „Ich hoffe, sie kommt beim nächsten Tanz nicht in kurzen Hosen!“ flüstert ein junger Blondschopf entsetzt seiner Mutter zu. Statt kurzer Hosen gibt’s ein schwarzes Kleid für eine dramatische Seguiriya. Und wessen Gemüt noch nicht erhitzt genug ist, bekommt als Draufgabe eine bunte Alegria, bei der die Tänzerin aber ziemlich gegen den schwingenden Boden zu kämpfen hat. Während der abschließenden Fin de Fiesta ist sogar der rhythmisch äußerst virtuose Mateo el Gallito ratlos, was da unter seinen Flamencoschuhen passiert. Aber das gehört wohl zu einer kleinen Freiluftbühne in einem Innenhof dazu. An diesem Abend ist das allerdings ein Nebendetail, denn im Vordergrund stehen eindeutig der Spaß, die Energie und die Freude, die dieser Auftritt von La Guita mit Los Remedios auf die Gesichter der Zuschauer zaubert. Als wir dann schließlich nach der letzten Zugabe und einem leckeren Stück Schokokuchen nach Hause fahren, steht La Guita mittlerweile zufrieden und entspannt vor dem Hofeingang. Sie verabschiedet sich von Los Remedios, die ihre Heimreise nach Bratislava antreten, und rätselt, was sie der Radioredakteurin erzählen soll, die sie in ein paar Tagen im Studio besuchen wird.

Von Julia Petschinka
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