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picture taken by aimee blaskovic
Weblog von Julia Petschinka

 
fuego_flamenco2Nachdem ich mich innerlich ausführlich auf den Konzertbesuch vorbereitet habe es brennt - fuego in wien, bin ich also so gut wie unvoreingenommen (jaja :-) in die Stadthalle getrippelt. Um ganze 7 Euro ärmer, dafür aber ein hochglanz-silberglitzer-Programmheft mit kaum Text aber vielen Bildern in Händen, bin ich an meinem Platz irgendwo auf der Tribüne angekommen.

Auf die Minute genau um 20h gings los - was ehrlich gesagt eine Menge Leute nicht erwartet hätten (Spanier? Ha, die kommen doch immer zu spät). Also gabs während der ersten Nummer einige "entschuldigung, ich muss zu meinem Platz"s. Das erste Stück war sowas wie der Titel-Vorspann, wenn man den Abend mit einem Film vergleichen will... Es wurden Schalen mit Feuer über die Bühne getragen. Das Licht war rot, orange, grell jedenfalls. Die Kleider wallend und schön. Die Musik kam vom Band und war mal Carl Orff, mal Dire Straits, mal Jorge Pardo - und immer sehr laut. Gesteppt wurde kaum; zumindest unhörbar.
Und kawumm, Vorhang zu nach 35 Minuten. Ratlose Gesichter. Was war das? Jetzt schon Pause?
Um den Filmvergleich weiterzuspinnen: Jerry Bruckheimer goes Flamenco-Show. Action pur. Show total. Bunt, wallend, grell, glitzernd, pompös. Leider waren die Lichteffekte und ständigen Kostümwechsel viel auffälliger als choreographische Ideen.
Was ich besonders lustig fand war, wie sich die Tänzerinnen und Tänzer (ungefähr 20 warens) wie ein einziges Objekt über die Bühne bewegt haben. Alle dicht zusammengepackt, Hände mal oben, mal zu Seite, die Füsse unter den wallenden Gewändern kaum zu sehen. War solange beeindruckend, bis mir ein Vergleich eingefallen ist: schaut aus wie eine bunte Amöbe, die über die Bühne schwebt. Vorbei wars mit der Seriosität...
Vorhang auf für den zweiten Teil. Alles ist anders. Kein zweistöckiges Bühnenbild mehr, keine Lichteffekte überstrahlen die Akteure. Eine Liveband ersetzt das Tonband, zwei Sänger eröffnen eine Tablao-Szenerie und zerschneiden mit ihren Stimmen die popcorngeschwängerte Stadthallenluft. Ich muss zugeben: das hat mich wirklich überrascht. Dieser Stilbruch zwischen erstem und zweitem Teil, die plötzliche Lockerheit der TänzerInnen, die Freude und Lust am Auftreten aller - einfach alles war anders. So, als hätte der erste Teil nicht zum Programm gehört. Oder so, als wäre der erste Teil ein Versuch gewesen, den Flamenco mal anders zu interpretieren... und dann doch zu merken, dass das nicht so gut funktioniert hat und deshalb wird der zweite, traditionelle Teil für das Publikum noch nachgeschoben. Ich bin verwirrt. Aber was solls. Der zweite Teil war also sowas, wie man sich Flamenco als SpanientouristIn vorstellen kann. Bunt, lustig, bißchen ernst. Mit Bata de Cola, mit Kastagnetten, mit Stöcken...
Im Programmheft schreibt Carmen Mota, die Regisseurin und Leiterin der Compania, dass sich sich für FUEGO von jedem Flamencoklischee lösen wollte. Das, finde ich, hat sie nicht geschafft. Eigentlich ganz im Gegenteil: alles, was man irgendwie mit Flamenco in Verbindung bringen kann, kam im Programm vor. Und selbst wenn man nur den ersten Teil betrachtet: auch hier gabs noch genügen Klischees, die ausgeschlachtet wurden.

Obs mir gefallen hat? hm - ich bin nicht so ein Fan von pompösen Flamenco-Shows. Also aus diesem Gesichtspunkt: nein (aber das hätte ich eventuell vorher wissen können). Und auf die Frage "war die Show an sich - also als Show - denn gut?" kann ich auch nicht ganz aus Überzeugung mit "ja" antworten.
Da ich aber immer neugierig bin was sich so tut - flamencomässig - bin ich trotzdem froh, dort gewesen zu sein. Es ist immer interessant zu sehen, was "die anderen" so machen...
 

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