
Das beginnt schon damit, dass ich nicht weiß: bin ich pro oder kontra Klimawandel? Oder sollte es besser heißen: glaube ich an den Klimawandel oder nicht? Hier werden die WissenschaftlerInnen (ich?) aufjaulen, denn der Glaube hat damit wohl wenig zu tun. Tatsachen sprechen... aber welche Sprache?
Eine weitere Frage: wenn ich Hunger habe, was kümmert es mich, dass die Luft grau und dick ist, dass es kalt und windig ist, dass die Sonne zu lange scheint, dass die Bäume keine Blätter mehr haben, dass irgendwo weit weg Eisberge schmelzen? Was sind überhaupt Eisberge? Wenn ich kein Dach über dem Kopf habe, weil ich aus meinem Land vertrieben werde, was kümmert es mich, dass den Maden im Speck die Luft zum Atmen wegbleibt?
Das erinnert mich an das Ranking der Weltprobleme von Björn Lomborg, das mich damals, als ich seinen Vortrag darüber hörte, extrem fasziniert hat. Eine verlockende Idee mitreissend vorgetragen - was ist eigentlich daraus geworden? Damals habe ich geschrieben:
Angesichts der Flutkatastrophe im August in Österreich und der Tragik der Überschwemmungen in New Orleans sind sich Experten da und dort einig: Die Art und Weise, wie wir Menschen mit unserer Umwelt umgehen, ist großteils Schuld am Ausmaß der Katastrophen. Eine weltweite Initiative gegen den Klimawandel wird wieder einmal lauthals gefordert, Amerikas lockerer Umgang mit Umweltschutzmassnahmen kritisiert. Wie kann man angesichts der berührenden und schrecklichen Bilder von in den Fluten treibenden Leichen daran zweifeln, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel sofort zu ergreifen sind?
Und noch eine Frage - vorausgesetzt das mit dem Klimawandel ist uns wirklich so wichtig, vorausgesetzt, wir wollen wirklich etwas dafür tun, dass ... was eigentlich? ... anyway, dass eben: Sind wir (wer ist das "wir"?) bereit? Klimawandel ist teuer - besser gesagt: den Klimawandel zu stoppen oder zu verlangsamen ist teuer. Wollen wir uns das leisten?
Wenn ich lese, dass die ÖBB Frachtentransporte von der Schiene zurück auf die Straße verlegen will, dann zweifle ich daran, dass hier wirklich ein Wille zur Veränderung des Klimawandels vorliegt.
Ich denke, solange der Wandel des Klimawandels kein Geld bringt (nämlich wirklich viel Geld, mindestens so viel Geld wie Kriege, Aktiengespenstergeschäfte oder Organhandel) ist alles nur Schall und Rauch. Grauer, dicker, bedrohlicher Rauch womöglich. Aber trotzdem Rauch.
Sorry, ich glaube nicht daran. Ich würde gerne. ich versuche es wirklich. Ich versuche zumindest das zu tun, was ich tun kann. Aber im Großen und Ganzen... hm. Warum einigen sich "die Länder" nicht auf Maßnahmen? Warum halten sie nicht mal die Kompromissmaßnahmen, auf die sie sich dann nach langem herumverhandeln vielleicht doch einigen?
Für mich bedeutet Klimawandel auch: ein Wandel des zwischenmenschlichen Klimas. Wie gehen wir miteinander um? Und in logischer Folge natürlich: wie gehen wir mit der Welt um? Mögen wir uns, sind wir uns letztendlich wichtiger als unser Konto? Sind uns die Menschen wirklich wichtig? Ist uns die Erde wirklich wichtig? Oder interessiert uns nur der Saft der Zitrone, mit etwas Zucker und Wasser und lecker...?
Ich habe keine Ahnung, was ich davon halten soll.
Ich mag mich und die anderen.
jupe - am Donnerstag, 15. Oktober 2009, 23:17 - Rubrik: wissenschaftliches
nungee (Gast) meinte am 15. Okt, 23:59:
meistens jedenfalls. magst du dich und die anderen.und dann auch nicht alle.
mir geht das oft so. gibt tage da bin ich fasziniert von all den menschen.
wohin sie gehen. woher sie kommen. wie viel verschiedene lebensgeschichten es wohl gibt.
und dann gibt es andere tage.
und andere menschen.
und die mag ich dann nicht so. die tage und ihre menschen.
und manche menschen mag ich überhaupt weniger.
deine worte zum klimawandel kann ich gut nachvollziehen.